Hamburger Projekt, Woche 11 (v.14): Alles Ende ist schwer…

Besser spät als nie: die offizielle Teilnahme-Bestätigung. Jetzt muss ich ran...

Besser spät als nie: der offizielle Einberufungs-Bescheid. Jetzt muss ich wohl ran…

Stellt euch vor, ihr wärt Raucher (selbstverständlich sind alle meine Blogleserinnen und -leser nichtrauchende, fastfoodverachtende durchtrainierte Superathleten, aber stellt euch das einfach mal vor…), und habt unbedingt vor, es euch abzugewöhnen.
Jetzt seid ihr schon den zweiten Tag erfolgreich nikotin-abstinent und bekommt eine Einladung zu einer Spitzen-Party.
Nur tolle Leute, dummerweise viiiele Raucher, ordentlich berauschende Getränke am Start, und da bietet euch jemand eine Zigarette an.
Was macht ihr?

Oder: eure neue Superdiät ist megaerfolgreich, ihr habt schon bestimmt 20 Kilo abgenommen und braucht für den magischen Endpunkt nur noch 3 Tage durchzuhalten.
Prompt folgt die Einladung in euer leckerstes Lieblings-Restaurant, eure Freunde sagen: hey, komm doch einfach mit, wir laden dich ein! Die letzten 3 Tage sind doch nun wirklich nicht mehr entscheidend.
Wie geht ihr damit um?

Letztes Beispiel: ihr seid gerade einen Halbmarathon gelaufen. Eigentlich hattet ihr keinen Bock darauf, aber am Ende war´s nicht nur ein toller Lauf sondern wurde auch noch mit einem neuen Allzeit-Best-Ergebnis gekürt.
Ein idealer Zeitpunkt, diesen Erfolg zu genießen und sich mit Couch-Faulenzen zu verwöhnen! Dummerweise steht schon am Tag danach ein kleiner 8-Kilometer-Lauf auf dem Plan.
Ihr wisst, dieser Lauf ist nun absolut nicht entscheidend auf dem Weg zum anstehenden Marathon. Da darf man doch völlig problemlos mal ein Training ausfallen lassen und sich einfach mal die Ruhe gönnen.
Bleibt ihr auf der Couch?

Für den Fall, dass ihr euch in allen 3 Beispielen für die verführerische, genussvollere und bequemere Variante entscheiden solltet habe ich eine sehr gute Nachricht: ihr seid völlig normal!
Was ist aber nun, wenn ihr in allen Fällen die Herausforderung wählt?
Wenn ihr die Zigarette ablehnt, die Diät durchhaltet und den 8-Kilometer-Lauf durchzieht?

Nun, dann seid ihr herzlich willkommen in Marathom´s kleiner Masochisten-Welt 😉
In dieser Welt steht man am Sonntag freiwillig um 6 Uhr auf um seinen Körper auf gut 21 Kilometern zu malträtieren.
Wirklich erklären kann man das allerdings nicht.
Aber -hey!- welches Hobby kann man schon logisch begründen?
Eins allerdings ist Fakt: wenn man nach all der Schikane in den Spiegel schaut und sich selbst stolz und manchmal auch ein wenig mitfühlend anlächelt, dann weiß man: das habe ich gerade für mich vollbracht!
Und wer das einmal probiert hat möchte es immer wieder. Ihr dürft es gern testen. Es klappt! 🙂



Deshalb gehe ich auch am Montag diese verdammten 8 Kilometer laufen. Ich habe überhaupt keinen Bock, alles in mir bittet mich höflich um Ruhe, aber mal ehrlich: im Marathon bei Kilometer 35 oder so geht es mir (und fast allen anderen Marathoni´s) ganz ähnlich, und da mache ich ja auch weiter, nicht wahr?!?
Okay, Spaß macht´s nicht wirklich, aber wie immer gilt: gemacht ist gemacht!



Da habe ich am Mittwoch schon deutlich mehr Motivation, mal einen schönen 12-Kilometer-Tempoklopper auf den Asphalt zu knallen.
Für flotte Trainings während der Arbeitszeit (oder besser zum Feierabend) hat sich der arbeitsstellennahe Volkspark als ideale Möglichkeit erwiesen. Da laufe ich zwar immer nur im Kreis, da dieser aber a.) fast 4 Kilometer lang und b.) überaus belebt ist läuft es sich doch ganz abwechslungsreich. Ohne groß auf den Weg zu achten einfach nur Tempo. So mag ich das.

Zwischendurch mal kurz von heftigem Graupelschauer aus der meditativen Lauftätigkeit erweckt verläuft (kleiner Kalauer, haha!) das Training toll und komplikationsfrei.



Der Freitag ist nicht nur ein Feiertag, der Karfreitag nämlich, sondern auch mein letzter 35-Kilometer-Extralanglauf.
So möchte es der Hubert Beck in seinem Plan, und nicht nur das: er möchte auch die letzten 15 Kilometer (muhaha! die letzten!!! das ist fast die gesamte zweite Lauf-Hälfte!!!!) im (natürlich komplett illusorischen) Marathon-Renntempo zurückgelegt wissen. Ja nee, iss klar.

Zumindest wettertechnisch ist alles schnieke, bei angenehmen 10 Grad und ordentlicher Bewölkung ziehe ich los.
Natürlich wie fast immer ein wenig zu schnell, knapp unter 6 Minuten/Kilometer. Okay, gaaanz ruhig, ich habe noch über 30 Kilometer vor mir. Und ab Kilometer 20 die phantastische Gelegenheit, schnell sein zu dürfen.

Dumm nur, dass mir nach Kilometer 20 gar nicht mehr so nach schnell zumute ist.
Ich bleibe trotzdem dran, und Kilometer für Kilometer (abgesehen vom Pace-Ausreisser bei km 25) werde ich allmählich zügiger.
Als dann (…endlich…) die 30 auf der Uhr steht bereue ich das ambitionierte Tempo etwas, keinesfalls will mir in den Kopf (oder die Beine), dass ich noch 5 Kilometer durchhalten muss (möchte/darf/kann). Diese ziiiehen sich dann folgerichtig wie geschmolzener Mozarellakäse in schier unendliche Länge, ein echtes Langlauf-Phänomen.
Da ließe sich doch mal trefflich über die Relativität von Entfernungen philosophieren!

Aber nicht jetzt, das gesamte Hirnblut ist in den Beinen und wird dort auch dringend benötigt.
Der letzte Kilometer ist ein echter Kampf um jeden Meter, und dann: geschafft!

Mein erfolgreicher vierter 35-er Lang-Langlauf ist bewältigt!
Gottseidank stelle ich erst im Nachhinein fest, dass ich mit einem durchschnittlichen 5:43-min/km-Tempo tatsächlich im gleichen Pace-Bereich wie zum letzten Marathon gelegen habe. Sonst wäre ich wahrscheinlich vor lauter Übermotivation direkt weitergelaufen. (Nur?) noch 7 Kilometer mehr und ich wäre glattweg unter 4 Stunden im Trainingsmarathon ausgestiegen. Ein gutes Gefühl (wenn denn in Hamburg die Bedingungen ähnlich sein sollten…).

Direkt nach dem Lauf bin ich zwar etwas erledigt, aber es geht mir ganz gut.
Zwei Stunden später kann ich das nicht mehr behaupten, eine gar üble Übelkeit bemächtigt sich meiner und schüttelt mich ordentlich durch.

Aber der Fencheltee meiner Frau und der Schoko-Zwieback bleiben drin, nur fühle ich mich jetzt hundeelend.
Meine sehr verständnisvolle Frau weist mich freundlich auf die Beklopptheit eines solchen Laufspaßes hin (ihr Vergleich: ein Alkoholiker trinkt auch immer wieder, obwohl es ihm am nächsten Tag schlecht geht. Hmmm…), und alles in meinem Körper gibt ihr leider vollkommen Recht.
Nur meine Seele hält zu mir, die verweist sehr freundlich auf die im Eingangsabschnitt dieses Wochenberichtes erwähnte Sache mit dem Erfolg und dem Spiegel-Lächeln. Aber erklär´ das doch mal jemandem!!!



Am Samstag bin ich so richtig und komplett im A…nus.
Ja, die Anstrengung der letzten Wochen und auch des gestrigen Laufes macht sich breit, und wie schon in der letzten Woche fühle ich mich körperlich müde und erschöpft. Ich genieße das im Rahmen der Möglichkeiten und hänge mal so richtig durch und ab.



Bleibt noch der Sonntag.
In weiser Erinnerung an einen hilfreichen Tipp zur Intervall-Gestaltung beschließe ich kurzerhand die viermal 2.000 Meter in dreimal 3.000 zu verwandeln.

Als Entschädigung verlängere ich die „Pausen“ zwischen den schnellen drei Elementen auf empfohlene 7 Minuten (ein Tipp aus dem Fundus des Herbert Steffny) und versuche, die Pace der Tempo-Einheiten nicht zu übertreiben.
Das Ziel von ungefähr 4:50-min/km halte ich tatsächlich sehr diszipliniert, allein die Pausen (!) machen mir etwas zu schaffen.

Der Körper verfällt nämlich in so etwas wie einen Chill-Modus mit anschließender Weigerung, wieder schnell laufen zu wollen. Oder es ist ein mentaler Chill-Modus. Wie auch immer: die sieben Ruhe-Minuten geben mir das Gefühl: geschafft!
Und ich sage meinem Körper und Geist: ätschebätsch, noch nicht!
Das ist zwar nicht schön, aber hat hoffentlich einen traumhaften Trainingseffekt. Wehe, wenn nicht!



Oft wird ein Plan...

Oft wird ein Plan…

Und was sagt die Wochenbilanz? Ach du Schreck, nur noch 3 Wochen bis Hamburg!
Na gut, das sagt eher oben der Countdown, aber egal. Stimmen tut´s trotzdem.

Und wir haben es noch mal so richtig scheppern lassen in dieser Woche, kilometertechnisch betrachtet. Naja, und in Anbetracht des überaus flotten 35-er´s vom Freitag auch tempomäßig.
Ein Rundumpaket des Trainingsspaßes, und das Wichtigste: ich habe, (bis auf eine einzige Einheit in dieser gesamten Hamburg-Marathon-Trainingssaison) wie in jeder Woche meinen Plan erfüllt. Mindestens.
Danke an meinen Körper und an die mir zur Verfügung stehende Zeit!

...von der Realität überholt!

…von der Realität in den Schatten gestellt!

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