Woche 09 (v.14): Au weia!

Der Läufer in der freien Wildbahn hat zwei natürliche Feind-Kategorien: die erste, vertreten zum Beispiel durch die Bescheuerte Bordsteinkante oder auch das Schreckliche Schlagloch fallen in die Kategorie „Läuferverletzung, physisch“ und zeigen sich meist sehr unmittelbar, direkt und offensiv.
(Nicht dazu gehören allerdings beispielsweise der Wuchtige Wadenkrampf oder der Mächtige Muskelkater, solcherlei Schreckgespenster steckt der Gemeine Läufer, mehr oder weniger lächelnd, weg.)

Das bin ich. Dienstagmorgen.

Das bin ich. Dienstagmorgen.

Die zweite Feindkategorie beinhaltet da schon einen deutlich hinterhältigeren Gegner: trotz bester Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen (in meinem Fall: täglich frischgepresster O-Saft mit Ingwer und mindestens 1 Apfel…) fällt er hinterrücks über einen her wie ein feiger Angreifer: der Imperiale Infekt!
Nahezu allmächtig und (zunächst) unbezwingbar schreitet er durch des Läufer´s Körper ohne Rücksicht auf die Folgen für Körper und Geist.

Just diese zweite Feindkategorie erwischte mich Anfang der Woche kalt, so dass mein schöner Plan den Weg alles Irdischen ging, zumindest in Bezug auf das Training in dieser Woche.

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Bevor wir nun auf die klägliche Trainings-Ruine der Woche blicken noch ein gutgemeinter Ratschlag: ihr solltet NICHT Erkältung und Lauftraining in den Weiten des WWW suchen, denn was ihr da findet ähnelt den Beipackzetteln für Arzneimittel: ungemein informativ und ungemein beängstigend.
Das reicht von „ich laufe auch einen Marathon mit Schnupfen“ bis zu „bloooß nicht laufen, sonst fällst du instant tot um!“, um es mal blumig zu umreißen.

Ich halte es für mich so: solange ich mich schlapp und unwohl fühle (ich bin ausgesprochen medikamentenscheu, was bedeutet, ich lasse das Fühlen der Symptome durch meinen Körper zu, auch wenn´s zwickt) bleibe ich auf der Couch liegen. Letztendlich sind ein paar ausgefallene Trainingseinheiten gute 5 Wochen vor dem Tag M (hoffentlich) nicht so dramatisch, da ich ja auch schon 4 fette 30-Kilometer-Läufe bewältigt habe.
Da diese das Kernstück der Marathonvorbereitung bilden ist die Erledigung selbiger im besten Sinne beruhigend.

Mein Bauch sieht die Laufpause nicht ganz so entspannt, insbesondere nach der ersten ausgefallenen Lauf-Einheit am Mittwoch schrie er mir entgegen „du schaffst den Marathon nicht, wenn du dich nicht an den Plan hälst!!!“
Ich gebe natürlich total ehrlich zu, dass mir diese aufgezwungene Laufpause nicht leicht fällt, aber ich hoffe (!!!) einfach, dass es einem gutem Zweck meinem Körper gegenüber dient, herumzufaulenzen.
Und – letztendlich habe ich ja unter anderem aus diesem (möglichen) Grund den 12-Wochen-Trainingsplan vom Hubert Beck auf 14 Wochen ausgedehnt!

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Dennoch ein kurzer Blick auf die Trainingswoche:

Die Nacht vom Sonntag zum Montag war, vorsichtig formuliert, sch…recklich. Erst konnte ich ewig nicht einschlafen, mein Bauch rumorte irgendwie herum, dann machte einer unserer drei Kater früh Krach – alles in allem: sch…recklich!

Deshalb verbringe ich den ganzen Montag in einer irgendwie schwächlichen und müden Verfassung, und schon am Nachmittag erscheint mir der für den Abend anstehende Tempo-Dauerlauf in der (extrem theoretischen) Marathon-Rennpace von irgendwas um die 4:55 pro Kilometer nicht nur extrem unschaffbar sondern auch extrem unlaufbar.
Dass ich mich dennoch aufraffe verdanke ich irgendeinem elektrischen Impuls in meiner Großhirnrinde, der zufällig mein  Trainingsplan-Gewissenszentrum streift und mir ad hoc eine „Durchziehen!“-Parole in die Gehirnwindungen bläst.

Um den heutigen Lauf etwas abwechslungsreicher zu gestalten entscheide ich mich für eine Strecke, die auch einige Hügelläufe (nach Brandenburger Maßstäben…) beinhaltet.
So geht es fröhlich bergauf und bergab, sowohl wegtechnisch wie auch mit dem Tempo und der dazugehörigen Herzfrequenz. Die besondere Herausforderung dabei ist, das Tempo möglichst gleichmäßig hoch zu halten, was sich besonders an fiesen, langgezogenen Steigungen als disziplinfordernd erweist.
Da ist es schon fast ein rechter Spaß, nach den 12 Pflichtkilometern einfach noch einen 13. Kür-Kilometer dranzuhängen. Mir ist einfach gerade danach.

Trotz ganztäglicher Ganzkörperschwäche gelingt mir ein verblüffend guter und, in leistungstechnischer Hinsicht, verblüffend erfolgreicher Tempolauf. Umso erstaunlicher in Anbetracht der Dinge, die da ab morgen kommen werden!
Hätt´ ich heute garantiert nicht für möglich gehalten, mein Körper überrascht mich!

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Leider überrascht er mich auch am nächsten Morgen. Obwohl die Nacht deutlichst besser war als die letzte wache ich irgendwie mit leicht dickem Kopf auf. Das für heute geplante Körperstabi-Training lasse ich mal lieber, geht mir so durch den Kopf, irgendwie fühle ich mich nicht so richtig.
Dieses „Nicht-So-Richtig-Fühlen“ hält sich sehr tapfer den ganzen Tag über aufrecht, mir ist mal kalt und mal warm, und auch sonst: ich fühle mich ein wenig oll. Was immer da meinen Körper beschäftigt, es ist nix Gutes!

Am Mittwoch gesellt sich ein sehr präsenter Halsschmerz zum sehr präsenten Kopfschmerz und versüßt mir den Tag. Bitte bitte kein Fieber!
Mein Entschluß zur Trainingsabstinenz steht auch (gottseidank!) ohne Fieber ebenso schnell fest wie es mir schwer fällt, auf das Laufen zu verzichten: sehr!
Möge mein Körper es mir danken, geht mir so durch den Kopf, während ich überlege, was ich auf einmal mit der ganzen freien Zeit anfangen soll. Mein Frau hat einen guten Tipp parat: Nix!
Ich halte mich dran und gönne meinem Körper Ruhe. Da ich heute sowieso einen arbeitsfreien Tag habe funktioniert das ganz super.

Der Kopfschmerz geht, der Halsschmerz bleibt, zum Glück gesellt sich kein Schnupfen dazu.
Dennoch fällt logischerweise am Donnerstag auch mein geliebter Bauchexpress aus, wenn schon Sportpause dann auch konsequent!

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Das gilt auch für den Freitag (ja, es fällt mir SEHR schwer, auf diese lange Einheit zu verzichten, jetzt, wo es gerade so gut läuft…)

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Und für den Samstag.

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Und für den Sonntag.

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Es hätte SO schön werden können...

Es hätte SO schön werden können…

Was für eine Wochenbilanz!
Hat sich mein Körper gar für die Strapazen der letzten Woche gerächt und mich in diese unfreiwillige Tapering-Woche gezwungen? Man weiß es nicht.

Laut letzten Theorien ist man nach so einer Pause noch viiiel fitter als vorher.
Ich bin jedenfalls auf die kommende Woche gespannt, die am Sonntag einen schönen Halbmarathon-Wettkampf bereithält. Wenn mein geneigter Astralkörper da auch mitspielt…

...wenn nicht die Realität so erschreckend real wäre!

…wenn nicht die Realität so erschreckend real wäre!

(Bildquelle „Schlumpf“: Harald Wanetschka / pixelio.de)

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2 Responses to Woche 09 (v.14): Au weia!

  1. Eddy sagt:

    Seeehr vernünftig, auf das Laufen zu verzichten, wenn der Körper das Signal dazu sendet. Und den Marathon schaffst Du trotzdem, da bin ich angesichts der absolvierten „langen Kanten“ sehr sicher. Gute Besserung!!

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