Geschwindigkeit ist mentale Hexerei! – oder: Woche 4

Huiii, die schnellste Woche aller Zeiten liegt vor mir! Zumindest theoretisch, denn Kollege Trainingsplan schlägt mir (nach Beckk´scher Vorlage erstellt) Intervalle und einen weiteren 10-Kilometer-Wettkampf vor, den zweiten von insgesamt 3. Auch diesen werde ich, wie schon den ersten, in trauter Zweisamkeit mit meinem Garmin-FR305-Laufkumpanen und mir absolvieren. Ansonsten ist diese vierte von zehn Trainingswochen eine kilometertechnisch minimierte, sozusagen kurz aber dafür knackig. Watt soll´n wa lang reden – die Straße ruft!

Montag: Ruhig und 6 Kilmeter lang darf´s heute sein. 6 Kilometer? Iss´n Witz, oder? Da lasse ich es mal richtig krachen und hau´ in völliger Ignoranz der planmäßigen Vorgabe noch einen schönen Kilometer obendrauf. Ich meine, für sechs Kilometer die Laufklamotten anziehen? Hallo???
Es werden am Ende 7,3 Kilometer. Einfach, weil ich es kann…

Ein Anekdötchen meiner heutigen Trainingseinheit gefällig? Voilá! :
Ebenfalls gaaanz weit vorn auf der Liste der „Dinge, die ein Läufer generell niemals tun sollte“ steht ganz fraglos: „nimm eine Bordsteinkante im Dunkeln niemals mit zu hoher Geschwindigkeit!“. Leider ist mir diese Regel just entfallen, was mich eindrucksvoll die Gesetze der Schwerkraft erleben ließ. Wobei: aufgrund des Laufschrittes ist es eher eine gelungene Kombination aus Schwerkraft (=abwärts) und Trägheit (=mit Schwung!). Da ein matschiger wiesenähnlicher Untergrund meinen Flug abrupt beendet sind die Folgen eher glimpflich, außer Dreck und Schreck keine Konsequenzen. Aufstehen, weiter!
Bis ins Ziel keine weiteren Vorkommnisse.



Mittwoch. Heute: Intervalle, wie sie sein sollten. An denen habe ich mich ja letzte Woche schon abgearbeitet, für meine damaligen Bedürfnisse durchaus zufriedenstellend, aber idealer und so gesehen auch besser laufen sie (Ha! Pflichtkalauer!) heute. Am Anfang steht der Kilometer. Distanziell betrachtet. Der ist schon mal langsamer als letzte Woche, ist aber nicht schlimm. Schließlich möchte ich ja heute mein Tempo halten oder, wenn möglich, sogar im Lauf-Verlauf steigern!
Ja, diesmal ist die Geschwindigkeits (Läufer-Jargon: Pace)-Einteilung wirklich besser. Das fällt mir schon nach der ersten von den beiden 2-Kilometer-Abschnitten auf. Das gute Gefühl der immer noch vorhandenen „Reserve“ bleibt bis zum letzten Schnipsel des 1-Kilometer-Finales erhalten. Insgesamt bin ich zwar einen Hauch langsamer (was sich zwischenzeitlich exakt umgekehrt anfühlte!) als bei meinem letzten Intervall-Training, aber dafür gelingt mir eine gleichmäßig steigende Geschwindigkeit. Fein!



Am Freitag beschleicht mich eine sanfte Unlust. Zehn Kilometer im Wettkampf-Style harren meiner. Ach nö. Schon nach dem Aufstehen graut es mich in Erwartung dieses furchtbar anstregenden Laufes. Ich fühle mich außerdem ziemlich erschöpft, da merke ich dann eben doch, dass ich meinen sportlichen Einsatz in den letzten 4 Wochen massiv nach oben gefahren habe. Andererseits: so ein Training darf ja schließlich auch ein bißchen schlauchen, nicht wahr?!?
Na schön, denke ich mir, ehe meine Erschöpfung meinen Schweinehund streichelt und aus dem Käfig lässt mache ich mich lieber auf den Weg. Zunächst verpasse ich mir einen ordentlichen Einlauf. 1,8 Kilometer lang zur Erwärmung, um genau zu sein. O. Mein. Gott. Denke ich. Ich habe so überhaupt keine Lust. Der Garmin wird wieder auf die 4:55-er Pace getrimmt, Zielzeit ungefähr wie vor zwei Wochen.

UND LOS! Holla, was ist das? Aufeinmal kribbelt´s in den Beinen und Muskeln, und da ist sie: die Lauffreude! Wo kommt DIE denn aufeinmal her? Keine Zeit zum Überlegen, laufen ist angesagt. Schon der erste Kilometer flutscht regelrecht, und da ich ja meinen freundlichen elektronischen Pacemaker am Arm kenne, komme ich seinem nervigen Piepsen einfach durch hohe Geschwindigkeit zuvor! Ätsch!
Alles entwickelt sich prächtig, die nächsten paar tausend Meter laufen sich mal etwas angenehmer, mal etwas fordernder. Ab Kilometer sieben ist Geschwindigkeit dann allerdings nur noch mentale Hexerei, meine Beine wollen nicht mehr so recht. Ist eben doch ziemlich hoch, das Tempo. Was würde ich jetzt für IRGENDEINE äußere Ablenkung wie bei einem echten Wettkampf geben! Was würde ich jetzt für „10 Kilometer sind geschafft!“ geben!!!
Tja, so ist es eben mein einsamer Wettkampf, so bin ich eben allein in meinem Kopf, der sich nicht gänzlich klar ist: schneller, langsamer, schneller, langsamer… Keine Ahnung, wie ich es auf dem letzten Kilometer geschafft habe, die Geschwindigkeit noch einmal zu erhöhen. Grundsätzlich komplett unmöglich, so aus eigener Kraft. Irgendein ein Teil meines Unterbewusstsein muss wohl einen seltsamen Pakt mit meinem Schweinehund geschlossen haben. Noch hundert Meter. —

Tja, und dann ist es schließlich amtlich:
Zum zweiten Mal im Training (!) eine persönliche Bestzeit gelaufen! Nochmal eine Minute schneller als im letzten Test-Solo-Wettkampf! Danke, lieber Hubert, dein Trainingsplan hat sich (zumindest für mich) bis jetzt komplett bewährt! Vergessen die Demotivation von vorher, vergessen die Schlaffheit, ich bin einfach nur glücklich.


Jetzt ist erstmal sowohl definitiv wie auch plangemäß zwei Tage Sport-frei angesagt, das werde ich auch einhalten. Mein Körper wird´s mir wohl danken. Außerdem gilt es, den Pakt mit dem Schweinehund zu erfüllen…

Training_Feb_2014_KW07

Die ganze Woche im Blick. Neu: jetzt auch mit Krafttraining!

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