Vom Dämpfungsmonster zum Zehenschuh: meine abenteuerliche Laufschuh-Evolution, Teil 2


Vom Minimalschuh zum Wahnsinnig-Minimal-Schuh


Willkommen zurück in Thomas´ lustiger Schuhwelt! Teil 1 behandelte meine ersten zarten Schuhkauf-Erfahrungen, im zweiten Teil werden wir jetzt zunehmend minimalistischer, weniger in Wort als vielmehr in Laufmaterial.

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Purer Flow. Sitzt. Und läuft. Perfekt!

Nachdem ich mich so ungefähr im Oktober letzten Jahres ganz gut Vor- und Mittelfußtechnisch eingearbeitet hatte bemächtigte sich eine Lust meiner, unbedingt den Laufschuh stärker zu reduzieren. Nach einiger Recherche und kompletter Ignoranz irgendwelcher Marketing-Botschaften entschloss ich mich, mir mal die Brooks Pure-Serie näher anzusehen.
Nach erster Anprobe des PureConnect als Super-Minimal-Schuh verspürte ich in diesem doch etwas wenig Unterstützung der Fußstabilität, das war wohl noch nicht der richtige Zeitpunkt, sooo minimal zu werden. Da waren die PureFlow als die etwas stabilere aber dennoch superleichte und mit 4 mm Sprengung für meine Lauftechnik geradezu prädestinierte Variante schon eher mein Fall. Was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Schritt!
Kennt ihr das? Ihr holt euch neue Laufschuhe, und ihr stellt schon beim ersten An-Laufen fest: jau, die sind´s! Exakt so fühlte ich mich in den neuen Sportgeräten, die ihrem Namen alle Ehre machten (und machen!). Anfangs nur auf maximal 3-8 Kilometer gelaufen dehnte ich die Distanzen Woche für Woche aus. Ihren ersten „großen“ Einsatz hatten die schönen leichten Wettkampf-Treter bei der Marathon-Staffel im November 2012 – mit Bestzeit! Das lag natürlich nur an den Schuhen… 😉
Evolution der Einsatzmöglichkeiten: im April diesen Jahres trugen sie mich über 21,1 Kilometer durch die Straßen Berlins. Ganz, ganz feine Schuhchen!

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PureDrift- Hat sich leider ausgedriftet…

Jetzt wurde es Zeit, weiter in die Reduktion zu gehen. Die FiveFingers waren zwar schon in den Fokus meines Interesses gerückt, aber zuvor wollte ich mich erstmal vorsichtig an die Null-Sprengung herantasten. Das war natürlich insofern sinnvoll, als das die menschliche Anantomie ja auch immer ein bißchen Zeit benötigt, sich an neue Herausforderungen anzupassen. Nach meinen Brooks-Erfahrungen beschloß ich, bei der Marke zu bleiben und begab mich auf den Drift, den PureDrift!
Die sind quasi etwas Sohle mit einem dünnen Obermaterial, verdammt nah am Barfußlauf. Leider waren die so gar nix für meine sensiblen Füße, welche in der großen Zehenbox prompt mit Blasen reagierten. Blöd, eigentlich gefielen mir die Schuhe ja ganz gut. Allerdings, durch das Desaster der Adidas-Schuhe geläutert tauschte ich die Schuhe nach nur 3 Testwochen um. Mein Kopf und mein Bauch konnten leider meine Füße nicht von dem tollen Laufgefühl annähernder Freiheit überzeugen.

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Die geh´n sogar Wände hoch: Nike Free 3.0

Nächster Test: Nike Free 3.0. Auch ein Fast-Nichts am Fuß, interessante, weil sehr flexible, Sohle, fühlte sich gut an. Der erste Lauf wurde von einem Sturz überschattet, das möchte ich aber nicht den Schuhen anlasten sondern eher meinem versagendem Gleichgewichtssinn. Aber mal ehrlich: wenn ich in Nike Free gut laufen kann, und sich der Achilles und die Waden nicht beklagen, dann kann ich ja wohl auch mal einen FiveFingers probieren, oder?!?

Voilá, here we go! Da bin ich nun beim Minimalsten (vor dem Barfußlaufen) angekommen, was die schöne Schuhwelt offeriert. Und ich kann euch sagen: es ist ein sehr ungewöhnliches und wundervoll freies Gefühl, in den Teilen zu laufen. Selbst einfachstes Spazierengehen fühlt sich total — geil an. So haben wir uns angefreundet, die Vibram FiveFingers und ich, beim Spazierengehen. Dabei war es gar nicht so einfach, die passenden Zehenschuhe zu finden. Da ich sehr kleine Füße der Größe 40 habe und die Männergröße erst bei 41 beginnt blieb mir nur der Griff zur Damen-Variante. Okay, ist jetzt kein Drama, da die Schuhe ja nicht Pink sind. Obwohl, hätte auch was…
Nee, Scherz beiseite, die Schuhe ziehen auch so schon die Blicke auf sich. Tatsächlich hilft es enorm, wenn man vorher mit einem Maßband seine Füße ausmisst und dann in dieser Tabelle entsprechend seine Größe sucht. Interessant: in der Tabelle gibt es mein Modell, die „Bikila LS“ für Männer auch in der 40, aber in der Realität leider nicht… 😉 Beim Anprobieren (essentiell!) merkt man dann sehr schnell, ob´s passt. Eine Nummer kleiner oder größer macht da schon einen erheblichen Unterschied aus! Das erste Anziehen gestaltete sich– herausfordernd! Die Zehen haben nämlich noch keine Ahnung, wie sie in die einzelnen Täschchen sollen. Das kennen die gar nicht. Ist eine lustige Erfahrung und Fummelei… Schönes Gimmick der „Schuhe“: sie haben ein Schnürsystem, was die Five“Toes“ gut anpassbar an ihren Inhalt macht. Die sitzen dann wirklich bombenfest und umhüllen perfekt den Fuß!

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Hobbitfüßchen!

Nach 2 Spaziergängen hatte ich ein erstes Gefühl – es wurde Zeit, in echtes Training einzusteigen! Eine phantastische Gelegenheit, sich mal wieder ein bißchen mit Lauf-ABC zu befassen. Selbiges ist natürlich perfekt in solchen Schuhen absolvierbar, trainiert es doch gut Koordination und Beinkraft. Zu Beginn gönnte ich mir zur Erwärmung einen gemütlichen 3-Kilometer-Einlauf und nach erfolgtem Lauf-ABC nochmal gut 5 Minuten Auslauf.
Der Tag danach war, nun ja, schwierig. Ich dachte, ich bin gut trainiert. Dachte ich. Der Muskelkater in meinen Waden sprach eine andere Sprache. Gut, dass ich „bloß“ 3 Kilometer bei meiner FiveFingers-Premiere gelaufen bin, sonst würde ich vielleicht meine Beine nicht mehr spüren. Damit hatte ich nicht gerechnet, das zeigt aber recht eindrucksvoll, wie trotz vorher getragenem minimalistischem Schuhwerk so ein Zehenschuh nochmal eine ganz andere Nummer ist! Klar, das ist jetzt wirklich ein völlig anderes und neues Bewegungsgefühl, für das die Füße und Beine erstmal noch ein paar Anpassungen vornehmen müssen.
Deshalb gilt: vorsichtig beginnen, schön auf die Beine und Füße hören. Wenn´s schmerzt gleich pausieren, auch wenn es extrem schwerfällt, weil es nämlich wirklich waaahnsinnig viel Spaß macht, in diesen Teilen die Natur zu belaufen!


Bleibt mir nur noch zu schreiben, dass ein läuferisches Durchwechseln des heimischen Fuhrparks an Schuhwerk sehr sinnvoll ist, da dies den besten Trainingseffekt bringt. Erfahrene Menschen empfehlen die gleiche Menge an Laufschuhen, wie man Einheiten pro Woche absolviert. Cool, wenn ich siebenmal laufen gehe, kann ich gleich nochmal Schuhe shoppen!!!

Mein Muskelkater ist jedenfalls wieder weg, die Achillessehne verhält sich ruhig, meine Schuhe wollen raus: ich geh´ ne Runde drehen. Wer kommt mit? 🙂

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