Karwendel / Allgäu: BONUSWANDERUNG!

Willkommen beim BONUS-Track!

Allgäu!

Hallo Allgäu!

Was macht man, wenn man nach 3 Tagen Wanderpause Hummeln im Hintern bekommt? Ganz einfach, man geht wieder wandern! Und wie es der Zufall oder besser die Urlaubsplanung so will bin ich noch für eine gemütliche Woche bei Schwiegereltern im wunderschönen Scheidegg in Bodensee-Nähe und direkt am Pfänder. Was liegt also näher, die Mutter aller Wanderungen anzugehen? Na, dann wollen wir mal:


24.07.2012 (Von Bregenz nach Scheidegg)

Aufstieg und Fall Abstieg eines Wanderers – ein Drama in 3 Akten

1.Akt: Chronologie eines Aufstiegs

11:00. Ich lache fröhlich vor mich hin, als ich in Bregenz an der Talstation der Pfänderbahn startend die erste zarte Steigung fast im Laufschritt nehme. Was soll mir schon passieren? Nach 5 Tagen Karwendel-Auf-und-Ab? Lockeren Schrittes schwebe ich elfengleich die ersten 50 Höhenmeter bergan. Niemand kann mich stoppen, ich überhole die ersten Wanderer, die wie ich der Seilbahn entsagen und die 600 Höhenmeter lieber auf Schusters Rappen bezwingen wollen. Alles ist schön.

11:20. Ich lächle in mich hinein, für’s Lachen fehlt mir auf einmal ein wenig die Puste. Diese Steigung ist nun doch etwas fordernder, was Wunder: die gesamten Höhenmeter ziehen sich NICHT karwendelgleich über 3 Stunden Gehzeit, hier ist der Aufstieg knackiger. 1 3/4 Stunden gibt der Talstation-Wegweiser an. Hmmm.

11:45. Lachen und Lächeln sind mir ein kleines bißchen abhanden gekommen. Schade, dass ich meinen Pulsgurt nicht dabei habe. Oder gottseidank. Alles eine Frage der Perspektive. Ich bin mir sicher: mein wettkampfermittelter Maximalpuls von 190 im Endspurt habe ich gerade über 1 km Aufstieg komplett gehalten. Ich kann kaum so schnell atmen, wie mein Körper nach Sauerstoff schreit. Ich bereue die beiden Frühstücksbrötchen, die wie Wackersteine in meinem Magen liegen. Und ich bin noch nicht oben…

12:00. Ich möchte sterben. Aber nicht mal dazu reicht meine Kraft. Mann, ich habe 4 Tage Karwendel-Hoch-und-Runter überstanden, und jetzt das. Wo ist die gottverdammte Kondition?!? Bin bei einem Puls von 200. Mindestens. Das kann man nicht überleben. Meine Beine wollen nicht mehr. Meine Arme verweigern die Stöckchen-Unterstützung. Mein Körper will die Nahrung loswerden, und mein Kreislauf verweigert die weitere konstruktive Zusammenarbeit. Umkehren ist eine Option. Wenn ich nur könnte. Also weiter. Irgendwie. Automatikmodus an: Ich-muss-weiterlaufen-ich-muss-weiterlaufen….

Tourist overflow!

Tourist overflow!

12:15. War was? Gipfel erreicht, 30 Minuten eher als auf der Zielzeit-Tafel in Bregenz angegeben, 1064 Meter über dem Meer, Gipfelschokolade ganz stilecht vertilgt: Milka Zartherb. (dieser Beitrag finanziert sich durch Produktplatzierung). Vielleicht bin ich aber auch tot und im Himmel. Kann nicht viel besser sein. Alles schön. Naja, fast alles. Ich habe noch ein paar Kilometer vor mir. Und da warten noch weitere Steigungen. Einige.

Für die Statistiker: setzt man 28 cm Stufenhöhe als Treppennorm an, so habe ich gerade 2.143 Stufen in 75 Minuten bestiegen. Nicht schlecht, oder? 😉


2.Akt:  Der (Hirsch-)Berg ruft!

image005smallAufi gehts, zunächst ein paar Meter abwärts stellt sich mir die Wahl: kurz und leicht über den Höhenweg des Pfänder oder ein bißchen Selbstfolterung auf saftigen Aufs und Abs durch das schöne Vorarlberg. Na, die Frage stellt sich ja wohl nicht, worauf meine Wahl fällt. In einem Berglokal mit netten EingeborInnen lasse ich meine inzwischen leere 0,5-l-Flasche 1 (von 4) mit Apfelschorle füllen, das wird unterwegs meine Kräfte wiederherstellen. Hoffentlich.
image006smallUnd weiter. Auf schönen Waldwegen mit nahezu perfekter Ausschilderung wandere ich fröhlich Richtung Hirschberg. Nur einmal geht mir kurz der Weg aus, zur Belohnung kreuze ich eine duftende Almwiese, auf der mich sanft summend eine Armada Bremsen begleitet, um einen halben Kilometer später wieder auf den richtigen Weg zu finden. Das war ja leicht.

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Das ist der Gipfel!

Der Hirschberg wartet dann noch mal nach besorgniserregenden 300 m Abstieg (warum nur, warum?) mit einem Gummibein-erzeugenden Aufstieg auf, oben am Gipfelkreuz lasse ich mir noch ein Stück Gipfelschokolade schmecken. Muss ja weg, das Zeug. Ist in der Sonne schon ganz weich geworden, wie ich. Aber für heute reichts dann auch mit Gipfel.

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3.Akt:  Auf unwä(e)gbaren Wegen


Die Sonne brutzelt fröhlich vom Himmel herab, ich tendiere zum Schmelzen. Ab jetzt erscheint es mir sinnig, meine insgesamt 2 Liter Wasser (+1/2 Liter Apfelschorle-Bonus, bereits vertilgt) zu rationieren, sonst dehydriere ich am Ende des Weges und zerfalle einfach zu Staub. Über frischgemähte Almwiesen führt der geführte Weg, trifft auf eine Asphaltstrasse (sehr zum Leidwesen meiner wanderbestiefelten Füsse), die schließlich weiter in eine Richtung drängt, welche leider so gar nicht nicht meine ist.

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Das, bitteschön, ist nun wirklich KEIN Wanderweg.

Hier treffe ich eine folgenschwere Entscheidung: ich verlasse die Strasse und wende meine Schritte über einen wegähnliche Strecke, welche tendenziell in die angestrebte Richtung führt. Sagt mein Wanderkarten-App zumindest. Aber auch dieses darf sich irren. Was selbiges als Weg deklariert ist es höchstens für 1 km, dann kreuze ich einen wasserführenden Bach (und rutsche auf den wasserumtosten Steinen fast weg…) um anschließend festzustellen, dass ab hier der Weg eher zu vermuten als zu sehen ist. Durch Unterholz, an abgerutschten Abhängen entlang, über gefallene Bäume hinweg und durch watschig-schöne Schlammareale folge ich meiner Nase.

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Einreisepapiere dabei?

Selbstredend funktioniert das Handynetz hier nicht, so dass ich mich komplett auf mein „Hier könnte es langgehen“-Gefühl verlasse. Ein echt krasser Aufstieg am Ende dieses — Weges und ich komme zwischen Elektrozäunen mit Stacheldraht heraus. Ich glaube, ich bin irgendwo mal falsch abgebogen. Ich weiß nur nicht, wo. Also klettere ich Intimzonenverachtend über die Zäune um gleich darauf verblüfft die Rückkunft auf klassische Wanderwege mir selbst zu vermelden! Gerettet! Ich habe die Chance, mein Leben weiterzuführen!

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Land in Sicht!!!

Na, die nutze ich doch glatt und folge nach gut einer weglosen Stunde wieder vertrauten Pfaden. Von hier an geht alles seinen Gang, keine Vorkommnisse, bestenfalls eine leichte körperliche Erschöpfung bemächtigt sich meiner. Ich kippe mir den letzten Viertelliter Wasser in den durstigen Leib und begebe mich schnurstracks heimwärts.
Um 17:30 treffe ich am Ziel meines Wandertages, in Scheidegg, meinem urlaubigen Nächtigungsort, ein. Und bin fertig. Mit mir und der Welt. Das Bier gleich beim Italiener wird mir seeehr schmecken. Erst gehe ich aber duschen…


image023smallErkenntnis des Tages: ruhig auch mal unbekannte Wege wagen. Das gibt neue Perspektiven, auf sich und die Welt.

Highlight des Tages: abgesehen von der schlechten Erkennbarkeit war der „verlaufene“ Weg eine echt spannende Strecke, an einigen Stellen richtig abenteuerlich!

Flop des Tages: Mit der Pfänderbahn hochkutschierte Touristen (über-)bevölkerten die gesamte Pfänderspitze. Laut & nervig.


Zurückgelegte Wege:
– Länge: 22,28 km (puh, mir qualmen die Füße…)
– Höhenunterschied aufwärts / abwärts: 1.254m / 861m (puh, mir qualmt — ALLES! :-))





                                        Das Beste zum Schluss: Fettes Best-Of-Bilder-Special! –>


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