Rätikon – Tag 1

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Sehnsüchtige Blicke…

16.06.2013

Zurück in die Berge

AUFSTEHEN!!!

Vier Uhr. Es schmerzt. In den Ohren und im Hirn. Weckerklingeln sollte verboten werden. Was solls, es dient ja zumindest heute einem guten Zweck, schließlich wartet die wunderschöne Berglandschaft der Alpen auf mich.

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Wenn die Musi spielt

Die Anreise zum Basecamp, ein treffender, von Markus geprägter Begriff für unsere Start- und End-Anlaufstelle in Partnun bei St.Antönien, Rätikon, Schweiz, gestaltet sich größtenteils annehmbar. Eine kurze aber schnell bewältigte Stressphase entwickelt sich auf dem Weg vom Flugzeug zum Zug in Zürich, da ersteres massiv verspätet landet. Dafür sind die knapp 2 Stunden Zugfahrt Richtung Küblis trotz zweimaligen Umsteigens ein gutes erstes Mentaltraining zur allgemeinen Entschleunigung. Imposante alpine Erhebungen und schöne Seen sind unsere Begleiter links und rechts der Bahnstrecke.

Von Küblis aus fährt uns ein Taxi bis ins Basecamp „Berghaus Sulzfluh“, zur Strafe für diese überaus touristische Anreisemethode werden 90,- SFr fällig. Da es inzwischen Mittagszeit ist und wir ja schließlich Urlaub haben heißt es erstmal: Schlemmerzeit! Leckere (und extrem fettige!) „Röschti“ in Speck- oder Käsevariation füllen unsere Mägen und geben uns die Startenergie für das Folgende. Dazu spielt eine Volks-Kapelle zünftige Berg-Weisen, hollatrio, wir sind angekommen!

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Aufi gehts!

Reiseklamotten aus, eingelagert für die Heimreise, Wanderkluft angelegt, Stiefelchen geschnürt, Rucksäcke auf, Wanderstöcke gezückt, los!
Die erste gute Nachricht für meinen Rücken ist: der Rucksack ist merklich leichter als im letzten Jahr! Ich spüre das gerade am Anfang deutlich, ein gutes Tragegefühl! Nicht, dass es grundsätzlich toll wäre, mit knapp 10 Kilo im Rücken zu wandern, aber immerhin muss das da hinten drin die nächsten 6 Tage meine Existenz sichern! Unsere Route führt uns zunächst ein Stück bergan zum Partnunsee, der mal gleich alle Bergsee-Klischees erfüllt.

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Bildschöner Bergsee

Das, natürlich, im allerpositivsten Sinne. Karibikähnliche Wasserfärbung bei Sichttiefen von mindestens 5 Metern, SO sieht ein anständiger Bergsee aus! 2 Ruderboote verführen zur Benutzung, aber nicht heute. Vielleicht wenn wir wieder zurückkehren… Die Sonne lacht uns gar wohlgesonnen ins Gesicht und wird speziell Markus und Thomas noch heiße, rote Grüße auf nackter Haut hinterlassen. Ich, eher praxis- als modenahe trage meinen Ganzkopfschutz mit Halsbehang schon ab den ersten Metern. Eine weise Entscheidung, wie ich am nächsten Morgen in Anbetracht von Markus und Thomas feststelle!

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Blick auf den Partnunsee von etwas höherer Stelle 🙂



                                                                                       Weiße Weihnacht Sommersonnenwende

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Huch, Schnne im Juni?!?

Gut, zunächst mal heißt es: weiter hinauf! Was ist denn DAS? Ein Schneefeld, mitten im Juni! Verrückte Bergwelt. Wir finden´s natürlich total spaßig, bei sommerlichem Wetter mitten im Juni hier Schnee zu finden! Naja, noch zumindest finden wir das lustig. Doch schon sehr bald werden wir ihn als lästige Erscheinung verfluchen! Erste unangenehme Begegnung bekomme ich schon kurz darauf geboten: trotz achtsamer Beschreitung des Feldes und trotz Markus´ großartigem Schneefeld-Tutorial („Gesicht zum Hang, falls man rutscht: Liegestützmodus“) entgleitet mir der Boden unter den Füßen und ich lerne das Gefühl kennen, mitten im Juni in den Schnee zu fallen und (leicht) abwärts zu rutschen.

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Atemberaubende Aussichten!

Sehr unangenehm, geht einem doch jede Halte-Sicherheit verloren, gottseidank sind unsere Wanderstöcke nicht nur schmückendes Beiwerk sondern überaus praktisch als Unterstützung für die aufrechte Fortbewegung! Als Entschädigung für diese erste kniffelige Situation gibt es dafür anschließend wunderbare Bergpanoramen, außerdem haben wir ab sofort und immer wieder kleine pelzige Begleiter.

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Kuschelige Wegbegleiter! 🙂

Zunächst nur markant-akustisch ist Markus der Erste, der sie als Murmeltiere korrekt identifiziert, schon bald sehen wir die lustigen kleinen Fellknäuel in für sie sicherer Entfernung herüberschauen. Ihr typisches „Alarmsignal“ wird uns die nächsten 6 Tage lang begleiten. Schöner noch als die deutsche Bezeichnung „Murmeltier“ finden wir übrigens den einheimischen Namen „Munk“. Klingt irgendwie passender.



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Hippe Hippie-Hütte?

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5-8 Wegbiegungen weiter kommt das erste Tagesziel in Sicht: die Carschina Hütte!
In gemütlichen 2.236 Meter Höhe gelegen haben wir somit auch die ersten 500 Höhenmeter erstiegen und ein bißchen ein Gefühl für das Kommende erhalten. Mitten im Schnee gelegen vermittelt die Hütte uns akut das Gefühl, der Brückenkopf einer Arktis-Expedition zu sein. Nix als Schnee um uns herum! Eben ein typischer Sommerurlaub…

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Nach getaner Beinarbeit: des Wanderers liebstes Bild

Entgegen der gängigen Hüttenklischees (die später noch zur vollsten Zufriedenheit erfüllt werden) erwartet uns ein recht junges Pärchen, die in ihrer Optik eher den Eindruck einer Heimstatt für alternative Junghippies als einer Schlafmöglichkeit für Bergwanderer vermitteln.

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Sonnenuntergang über der Schesaplana

Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen!) sind die beiden sehr nett, und wir lassen uns Apfelschorle und alkfreies Bier schmecken. Die erste „Übungs“etappe ist bewätigt! Mir persönlich geht es heute abend irgendwie nicht so gut, ich habe das Gefühl, die Umstellung von Gewohnheiten fällt mir schwerer als den beiden anderen.

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Junggesellenbude

Irgendwie fehlt mir gerade meine Zuhause, meine 3 Kater und meine Freundin. Hunger habe ich auch nicht so recht, meine Seele findet irgendwie nicht so richtig die Mitte. Markus und ich bleiben noch bis zum Sonnenuntergang wach, der andere Thomas hat es nicht mehr durchgehalten und ruht schon in Morpheus´ Armen.
Die Nacht verbringen wir natürlich artgerecht im Matratzenlager, wir sind aufgrund der aktuellen Wanderverhältnisse gerade sowieso die einzigen Gäste. Das ist natürlich ganz angenehm, dennoch kann ich nicht schlafen. Im Grunde kenne ich das schon, also genieße ich eben die wundervolle Möglichkeit, langgestreckt meine müden Knochen zu entspannen…

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Hüttenankunft. Prost!

Erkenntnis des Tages: Wer früher aufsteht ist länger wach… 😉

Top des Tages: Schnee im Juni! Wie abgefahren!
Flop des Tages: mein erstes horizontales Schneeerlebnis

Zurückgelegte Strecke: 7,5 Kilometer
Bewältigte Höhenmeter (aufwärts/abwärts):
815 Meter / 380 Meter
                         



HINWEIS ZUR KARTE: Der Track ist nicht nur zu Showzwecken so lustig bunt 😉 , das hat tatsächlich einen Sinn: ihr könnt hier den Höhenverlauf der Route sehen. Von gelb (ganz unten) über grün, blau (aufsteigend) bis rot (ganz oben!)

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Beim Hüttenfrühstück

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Arktischer Vorposten: die Carschina Hütte
















Weiter geht´s mit dem schneereichen Tag 2!



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