Was bisher geschah…

Links und rechts fliegen die Bäume und Häuser an mir vorbei. Mit phantastischen 10 km/h gleite ich durch die ruhigen Straßen meines Heimatortes Falkensee. Glücklich lächelnd lege ich Kilometer um Kilometer im gleichmäßigen, ruhigen Laufschritt zurück, und in meinen Gedanken entsteht wiederholt ein interessiertes Erstaunen darüber, wieviel Freude und Zufriedenheit ich erlebe, während ich immer größere Distanzen zu Fuß bewältige. Und während ich so vor mich hinlaufe erlaube ich meinen Gedanken, den Blick in die Vergangenheit zu wagen, eine Vergangenheit, die noch nicht mal 3 Jahre zurückliegt…


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2009. Eine ganze Menge Thomas…

Mehr als 16 Jahre kein Sport. War klar, dass das irgendwann zu sehen war. Die Freude, mein Spiegelbild auf mehr Fläche als Gesichtsgröße zu sehen, hielt sich doch sehr in Grenzen. Immerhin 85 Kilo bei 173 cm Körpergröße. Nicht unbedingt dick, aber ich fand mich durchaus „moppelig“.
Das war 2009, ein Jahr, das mir neben einer phantastischen USA-Reise auch noch eine Konfrontation mit mir selbst brachte. Zumindest einen ersten Eindruck dieser Begegnung, denn erst ein gutes halbes Jahr später zeigte sich das unangenehme Gesicht einer ausgewachsenen seelischen Krise komplett.
Nur wenige Menschen verstanden es zu diesem Zeitpunkt meines Lebens, mit mir und dieser –Situation umzugehen. Konnte ich ihnen absolut nicht verdenken, hatte ich doch selber so meine liebe Not mit mir. Begriffe wie „Burnout“ oder auch „Depression“ werden der Gesamtsituation zwar nicht unbedingt gerecht, aber die menschliche Freude am Kategorisieren wurde mit diesen Begriffen zumindest befriedigt. Insofern war der passendere Begriff tatsächlich „seelische Krise„, ganz ohne medizinische Dokumentation!

 

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2011. 18 Kilo weniger Thomas. Haare und Gewicht…

Befindet man sich in einer solchen Phase gibt es exakt 2 Möglichkeiten damit umzugehen: man ergibt sich und gibt sich auf oder man ergibt sich (ist in dem Moment ja nicht zu ändern) und versucht herauszufinden, welcher Umgang der heilsamste ist. Mir half dabei ein toller Arzt und Fachmann der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin), welcher  gemeinsam mit mir einen Weg zu mir entdecken wollte. Lange Gespräche und bestimmte Techniken der Akkupunktur und -pressur halfen mir, neben dem Faktor Zeit, Stück für Stück aus meiner inneren Unruhe zu lernen und damit umzugehen.
Im Sommer 2010 entdeckte ich die Freuden der Frischluft-Betätigung in Form von Fahrradfahren.

Yoga

Danke, Barbara! („meine“ Yoga-Schule)

Zum gleichen Zeitpunkt begann ich auch mit Yoga, aus dem Versuch heraus, über ein gewisses Maß an Bewegung mehr Freude im Umgang mit mir und meinem Körper zu gewinnen. Das gelang mir immer besser, und im November des Jahres 2010, als das Wetter mir mit fiesen Stürmen und Wasser von oben versuchte, das Fahrradfahren zu vermiesen, startete ich die ersten „Laufversuche“.
Als verantwortungsbewusster Mensch war es zu Beginn natürlich eher ein Stop-And-Go, und die Motivation war – naja. Also, anfangs mit viel Schweinehund-Überwindung, später mit der passenden Ausdauer dauerte es gut 3 Monate, bis ich mich an die erste „Ich laufe 30 Minuten am Stück“ -Distanz wagte. Lustig, wenn ich heute daran zurückdenke!

So habe ich angefangen… 🙂 (Klick mich!)

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Laufabenteuer: meine ersten 12,2 Kilometer 2011!

Tja, und so nahm ein neues Hobby seinen Lauf. Einige Zeit nach Beginn gab´s keinen drängelnden Schweinehund mehr, nach und nach entwickelte ich eine selbsttragende Eigenmotivation. Dabei kam mir natürlich zugute, dass mir das Laufen half, zu mir selbst zu laufen, mich zu entdecken. Insofern ist für mich auch heute, 3 Jahre später, die Fortbewegung im Laufschritt im gleichen Maße sportliche Herausforderung wie auch meditative Selbsterfahrung und damit körperliches und mentales Erleben und Trainieren!

Die folgenden Wettkämpfe und Lauferfahrungen wurden meine Ziele, meine Abenteuer und meine Herausforderungen: Juni 2011: 6 km Berliner Firmenlauf, November 2011: 12,2 km Berliner StaffelMarathon, März 2012: 10 km Lauf der Sympathie, November 2012: 12,2 km Berliner Staffelmarathon, März 2013: 10 km Lauf der Sympathie.

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Gesammelte Werke: alle bisherigen Wettkampf-Läufe. tbc…

Im August 2011 gönnte ich mir einen neuen Lauffreund, den Garmin Forerunner 305, der mir auch jetzt noch treue Dienste leistet und mein ständiger Begleiter, Statistiker und manchmal auch Antreiber und Motivator ist. Wer ihn kennt weiß, was ich meine :-).

Als mich dann ein Bandscheibenvorfall im Mai 2012 abrupt stoppte lernte ich zum ersten Mal in meiner noch sehr jungen Läuferkarriere, was „Fügung ins Unvermeidliche“ eigentlich bedeutet. Ich akzeptierte also die Situation, mein neues Ziel lautete ab sofort: ich will wieder laufen können! Aus lauter Trotz lernte ich Nordic Walking. Wer jetzt an Stöckchenschleifer denkt hat keine Ahnung. Gut, es gibt sie, aber wer mal sich mal so richtig in die Stöcke hängt der weiß: das kann echt fordernd sein! Als Beweis hier mal der Link zu meinem Rekord-Walk!


Dennoch – ich bewege mich lieber ohne Hilfsmittel, und so hieß mein oberstes Ziel: wieder laufen! Ich ging brav und regelmäßig zur Physiotherapie (mache ich noch immer!) und nach 3 Monaten und diagnostizierter Schmerzfreiheit ließ mich mein Orthopäde wieder erste Laufversuche machen. Dabei stellte ich meine Rückfußlauftechnik auf die knochen-, gelenke- und rückenschonende Vor- und Mittelfußlauftechnik um. Und so konnte ich ab Juli 2012 wieder, nach vorsichtigem Einstieg, meinem geliebten Laufsport frönen! Höhepunkt meiner „Läuferkarriere“ war dann im April 2013 mein erster Halbmarathon! Und nun? Nun bin ich bereit, auf eine neue Distanz, eine neue Herausforderung zu laufen. Zweiundvierzig Kilometer. Wir werden sehen…

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„Stolz“, in Metall geprägt!


Ich vollende Kilometer 18. Wow, solche Entfernungen habe ich vor einem Jahr noch nicht zurückgelegt! Hätte man mir vor 3 Jahren gesagt: „Du läufst mal 18 Kilometer!“, ich hätte milde gelächelt und den „Wahrsager“ als Spinner abgetan.
Ich bin selber erstaunt, was man so vollbringen kann, wenn man nur will. Und mehr und mehr stelle ich fest, der Effekt kommt mit der Wiederholung. Ich laufe, weil ich es möchte, weil ich es darf. Und nicht, weil ich es muss. Danke für 2 gesunde Füße und die körperliche Fähigkeit, laufen zu können! Ich erreiche mein Ziel, ich bin zuhause, bei mir angekommen…


Falkensee, im April 2013

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