Hamburger Projekt, Woche 06 (v.14): Die Tage werden länger. Die Läufe auch…

Na, das fängt ja gut an. Ein bißchen `Rumgeschlampe, wie? Das lassen wir aber auf keinen Fall einreißen!
Na gut, so ganz freiwillig lasse ich mein Montags-Training, Intervalle sind eigentlich vorgesehen, natürlich nicht sausen.

In diesem speziellen Falle kommt mir eine dienstliche 2-Tages-Reise dazwischen, die tatsächlich aufgrund der Organisation keinen Spielraum für dieses Training bietet.
Das ist jetzt auch nicht unbedingt der Untergang des Abendlandes, ein Plan kann und darf auch schon mal von der Realität eingeschränkt werden.
Letzten Endes soll das Training ja auch Spaß machen und nicht zum kompletten Freizeitstress ausarten.

Klar, ein Marathon ist kein Ponyreiten, aber wenn´s mal nicht geht dann geht´s eben mal nicht. Solange es nicht der olle Schweinehund ist, dem ich da kleinlaut beigebe ist´s doch völlig okay.
Sollte mich irgendein gesundheitlicher Destabilisierer erwischen, dann kann so eine Ausfallzeit viel drastischer — ausfallen (hihi, Kalauer der Woche! :-))

Na, wir wollen´s mal nicht herbeirufen, ihr werdet gegen Ende dieser Woche schon von einer solchen gesundheitlichen Einschränkung lesen, die sich hoffentlich bald wieder still und leise verkrümelt. Wehe nicht.



Somit beginnt diese Woche ausnahmsweise erst am Mittwoch, und um das Thema „schnell“ in dieser Woche nicht gänzlich sausen zu lassen wartet ein hübscher 12-Kilometer-Tempodauerlauf auf mich.
Zielpace: Marathon-Renntempo.

Ich habe natürlich massive Zweifel daran, diese mysteriöse 4:58 min/km-Pace im Marathon durchzuhalten, aber im Training ist es ex-akt das perfekte Tempo, um die Einheiten schön herausfordernd aber trotzdem schaffbar zu gestalten.
Tatsächlich ist die Fähigkeit, ein solches Tempo über eine laaange Distanz halten zu können, eine meiner größten Herausforderungen (neben der Marathon-Distanz an sich…).

Nach dem Einlaufen geht´s auch mal direkt los, und die ersten ungefähr 5 Kilometer sind ganz schnaffte.
Das sieht man immer total toll daran, dass ich es insbesondere immer am Anfang etwas übertreibe. Ich kann mich noch so sehr zusammenreißen (wollen), es gelingt mir einfach nicht.
Das fällt mir dann in schöner Regelmäßigkeit zu Beginn der zweiten Rennhälfte vor die Füße, und ich stolpere darüber. Der geneigte Trainingsbeobachter erkennt selbiges gut an der Tempo-Entwicklung der 3 Kilometer nach der ersten Hälfte.

Wobei ich fairerweise nicht unerwähnt lassen möchte, dass der mit Abstand langsamste Kilometer lustigerweise genau dem eigentlichen Zieltempo entspricht.
Aber: ist das unser Anspruch? Nöö! Wir wollen mehr!
Ist natürlich Blödsinn, hilft aber ungemein, sich das -mal wieder- viiiel zu schnelle Tempo von 4:52 min/km schönzureden.

Aber: es war heute echt fordernd! Vor allem magentechnisch, weshalb auf der „Liste der Dinge, die man auf keinen Fall weniger als 6 Stunden vor dem Training essen sollte“ neben dem bereits früher erwähnten Szegediner Gulasch jetzt auch leckeres Lachsfilet mit Basmatireis steht. Trotzdem bin ich heile und mit komplettem Mageninhalt im Ziel angekommen. Und das ist doch schon mal was!



Am Freitag ist es nun endlich an der Zeit, eine alte Rechnung aus dem letzten Jahr zu begleichen.
In der Vorbereitung für meinen ersten Marathon lief ich die für heute geplante 35-Kilometer-Strecke bereits schon einmal, dort war allerdings nach 33 Kilometern (also, eigentlich schon nach 25…) Schluß mit Lustig und Laufen.

Die heutigen Bedingungen ähneln den damaligen frappierend, bis auf eine mächtig entscheidende Ausnahme.
Damals wie heute scheint eine wundervolle Sonne, damals wie heute bin ich bis in die (spärlichen) Haarspitzen motiviert, allerdings sind es heute ungefähr 20 Grad weniger draußen.
Ein echter Segen! Im Winter trainieren liegt mir doch eindeutig mehr.

Eine kleine 300-ml-Wasserflasche packe ich trotzdem mit ein, und da ich den Geschmack des Wassers aus den (dennoch praktischen) „Salomon Soft-Flask´s“ echt ekelhaft plastikartig finde stopfe ich kurzerhand einen Gefrierbeutel als „Inlay“ in die Flasche und fülle dann das Wasser ein.
Schmeckt auch nicht perfekt nach — Nichts, aber ist erträglich.

Die Strecke ist auch im Winter wunderschön abwechslungsreich, und bis Kilometer 25 genieße ich den Lauf in vollen Zügen.
Vorfrühlingshafte Atmosphäre begleitet mich, Vogelzwitschern, ab und zu begegne ich einem Läufer oder Rennrad-Fahrer, während mich meine Füße fast automatisch weitertragen. Es könnte genauso bleiben, geht mir durch den Kopf, mein Kreislauf spielt mit und mir geht es wirklich gut.

Tja, da habe ich die Rechnung aber ohne meine Anatomie gemacht.
Bei Kilometer 25 bahnt sich ein leichter aber erträglicher Schmerz rechts außen am rechten Knie an. Alles Übel kommt von rechts außen, denke ich mir so, und kann noch einigermaßen darüber lächeln.
2 Kilometer später vergeht es mir: ein stechender Schmerz, der sich bis in den Oberschenkel ausbreitet verhagelt mir den weiteren Genuss des heutigen Laufes.

Es fühlt sich wie eine Art Krampf an, der mich fast einknicken lässt.
Ach verdammt!!! 🙁
Diese Strecke will wohl nicht, dass ich meinen Lauf jemals geplant beende!

Heute spielt mein Kreislauf und mein allgemeiner Zustand perfekt mit, dafür versagen meine Knochen. Das kann doch jetzt einfach nicht wahr sein!
Ich fluche sehr laut vor mich hin, gottseidank hört mich keiner. Und wenn doch ist mir das auch völlig wumpe. Ich bin richtig sauer und enttäuscht.

Okay, aufgeben ist allerdings heute schwierig, denn es sind noch knapp 10 Kilometer bis nach hause. Meine Frau Manu muss leider arbeiten, ist also somit keine erreichbare Abhol-Option, ich habe kein Geld für ein Taxi dabei – also heißt es: aus eigener Kraft gen Heimat!
Von jetzt an begleitet mich die ständige Angst des Ausfalls.

Ich beschleunige eher unbewusst das Tempo, komischerweise sorgt das dafür, dass ich meine rechte Knieaußenseite weniger schmerzhaft spüre. Jeder Meter wird zur, vor allem mentalen (hält das Knie?), Herausforderung, ich bin heilfroh, dass meine Energiereserven heute so gut mitspielen. Da hatte ich ja schon ganz andere Läufe!
Zügig und dennoch ständig mit einem Hinspürer ins Knie laufe ich die nächsten Kilometer und erreiche dann tatsächlich einigermaßen wohlbehalten heimische Gefilde.

Mein Knie hält, aber die Strafe erhalte ich beim langsamen Auslaufen und noch viel schlimmer beim anschließend notwendigem häuslichen Treppensteigen. Am Ende stehen gut 35 Kilometer auf der Uhr, und mein zweitlängster Trainingslauf aller Zeiten nimmt zwar kein wirklich genussvolles aber trotzdem erfolgreiches Ende.

Ein bißchen Sorgen macht mir mein Bein dennoch. Glücklich bin ich auf jeden Fall darüber, dass mein Kreislauf auch nach dem Lauf anständig zu mir gehalten hat, ein Liter Fencheltee und ein paar Schoko-Zwiebacke wirken da echt Wunder! 🙂



Der Samstag kommt mir gerade recht, ein bißchen abgammeln auf der Couch habe ich mir redlich verdient.
Und da ich seit Donnerstag ein paar Tage Urlaub genommen habe heißt es heute auch wirklich mal: Nichtstun! Okay, abends geht´s zum leckeren Griechen, aber das ist ja auch eher entspannend…



Die Woche beschließe ich am Sonntagmorgen mit einem 8-Kilometer-GA1(ruhiges Tempo)-Lauf.
Zur Abwechslung regnet es heute, aber das stört mich nun überhaupt nicht.
Immerhin hatte ich die letzten Läufe ja bei schönstem Spätwinter-Wetter absolvieren dürfen.

Einzige Sorge: hält das Knie? Gestern spürte ich es ordentlich, und ich Idiot habe natürlich mal gleich gegoogelt und sowas hier gefunden: das Läuferknie!
Tja, nach Symptomen im Internet suchen ist ungefähr genauso dienlich wie Beipackzettel von Medikamenten lesen: danach macht man sich erst wirklich Sorgen!

Mein Bein hält heute, allerdings ist der Schmerz untergründig immer da, ständig bereit, wieder voll zuzuschlagen.
Macht er aber nicht, und ich erlebe bei den schnellen 5x 100-Sprintmetern, die den heutigen Lauf beenden, das gleiche Phänomen wie am Freitag: ich spüre weniger Schmerz, wenn ich schneller laufe! Aber ich kann doch nicht immer schnell laufen?!?

Was heute auch deutlich besser ist: nach dem Lauf und beim Treppensteigen ist alles weitestgehend okay. Ein Restschmerz ist noch da, aber keineswegs so heftig wie am Freitag.
Wird jetzt alles wieder gut?



Der beste Plan...

Auch der beste Plan…

Tja, die Wochenbilanz.
Ein ausgefallenes Training am Montag, zwei verschwundene Kraft-Tage aufgrund von Urlaub, dafür ein ordentlicher Tempolauf am Mittwoch und einen (grundsätzlich) erfolgreichen 35-er am Freitag: Sonne und Regen liegen diese Woche eng beieinander.

Das gilt besonders für die Gesundheit, denn mein immer mal wieder präsenter Achilles hat Knie-Gesellschaft bekommen.
Kann denn nicht einfach mal alles so klappen, wie ich mir das so vorstelle??? Ich möchte doch einfach nur laufen…

Marathon-HH_TP_Woche06

…muss sich manchmal der Realität beugen.

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2 Responses to Hamburger Projekt, Woche 06 (v.14): Die Tage werden länger. Die Läufe auch…

  1. Ohje mein lieber Thomas, was lese ich da von deinem langenLauf. Da liegt wohl echt ein Fluch auf der Strecke. Die musst du aber unbedingt nochmal auf deine Todo Liste setzen und zwar ohne Magen und Knieschmerzen oder was es sonst noch gibt.
    Weiterhin Alles Gute für deinen Körper.
    Ansonsten natürlich eine gewohnte Top Leistung diese Woche von dir.
    Mit sportlichm Gruß

    Sigmar

    • ThomasThomas sagt:

      Ja, die Sache mit dem Fluch. Die 35 Kilometer habe ich der Strecke schon mal abgerungen, die Komplikationsfreiheit ist das nächste Ziel 😉
      Vielen Dank für deinen Kommentar, und auch dir alles Gute auf deiner –Laufbahn! 🙂
      Mit sportlichem Gruß zurück…

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