Hamburger Projekt, Woche 07 (v.14): Kalt, Warm, Wind, Regen, Schnee, Sonne – ein bißchen April im März

Eine ganz normale Trainingswoche beginnt.
Natürlich kann ich noch nicht ahnen, dass sie eine wirklich tolle Überraschung in trainerischer Form bereithält, aber das macht nix.



 Denn am Montag heißt es erstmal: zack, zack!
Letzte Woche noch ein wenig vor mich hingeschlampt gibt es diese Woche kein Pardon! Locker eingetrabt und dann warten 5x 2.000 Meter-Intervalle (mit 4-Minuten-„Trab“-Pausen dazwischen) auf mich.

Bereits beim Einlaufen verspüre ich einen merklichen Gegenwind, wie schon bereits vor 2 Wochen.
Gut, dann machen wir´s heute eben wieder im Hamburg-Style, denn Wind können die da oben in Norddeutschland wirklich hervorragend! Ideal, wenn man die tolle Möglichkeit bekommt, sich im Training darauf vorbereiten zu dürfen (und noch viel besser, wenn man jeden dämlichen Grund dazu benutzt, sich selbst ein echtes Dreckswetter schönzureden… ;-))

in Böen: innerstädtische Geschwindigkeitsüberschreitung

in Böen: innerstädtische Geschwindigkeitsüberschreitung

Okay, das wird dann wohl doch eher Kraftsport, bemerke ich nach Abschluss der ersten schnellen 2 Kilometer.
Da ich allerdings beim Laufen immer wieder vergesse, wie schnell ich eigentlich sein soll, bin ich immer ein paar Zeitspäne zu temporeich unterwegs. Egal, wenn schon fies dann richtig.

Deshalb lautet das Motto für die nächsten 4 mal 2 Kilometer: gegen den Sturm im gleichen Tempo!
Der zweite Kilometer bleibt mit 4:31 Minuten/Kilometer der „langsamste“, die nachfolgenden 3 Tempo-Einheiten werden allerdings die krassesten. So ein Gegenwind ist schon wirklich ein feiner Mental-Coach!
Zumindest, wenn man tapfer gegen ihn anläuft…



 Am Mittwoch meldet sich mit aller verbleibender Kraft der Winter zurück.
Dumm, dass ausgerechnet heute a.) Trainingstag ist und b.) ein Tempo-Lauf für 12 Kilometer im (extrem unwahrscheinlichen) Marathon-Renntempo von knapp unter 5 Minuten/Kilometer auf dem Plan steht.

Na, wenigstens begleitet mich Markus auf meiner Einheit, zumindest am Anfang, denn dieses Tempo über diese Distanz ist noch nicht so seins.
Also laufen wir uns gemeinsam warm, was im Grunde allerdings komplett bescheuert ist, denn schon während der 2 Einlaufkilometer fällt ein von hübschen Böen begleiteter Regen auf uns hernieder und sorgt für eher für reichlich Abkühlung.

Da dies natürlich zum jetzigen Zeitpunkt kontraproduktiv ist, schließlich wollen wir ja WARM werden, bin zumindest ich glücklich, dass ich nun endlich schnell laufen darf.
Um den allgemeinen Wetter-Lauf-Spaß noch zu intensivieren geht das fiese Regnen jetzt in Schnee über. Und was für ein Schnee!
Furios fette Flocken fallen flatschend f(v)om Firmament.

Ein Großteil bleibt am Läuferlein kleben, bevorzugt auch auf den Augenlidern, was zu einer erheblichen Einschränkung des Bewegungskomforts führt. Genauso wie übrigens auch der sich latent seifig entwickelnde Untergrund, denn auch wenn der Schnee nicht liegenbleibt so währt seine Halbwertzeit doch gerade lange genug, um den Grip-Faktor des Bodens gen Null zu minimieren.
Folge: besonders in den Kurven gilt es, seeehr sorgsam und dosiert mit dem Tempo-Schwung umzugehen, um das Desaster der Vorvorwoche nicht zu wiederholen. Was umso bedauerlicher ist angesichts der Tatsache, dass ich heute tatsächlich ein phantastisches Tempo-Gefühl habe, und die Kilometer mir nur so aus den Beinen flutschen.

Nach gut 12 Kilometern ist Schluss, natürlich auch mit dem Schnee. Was soll der auch weiterhin fallen, jetzt, wo ich mit dem Training fertig bin?!?
Bei niederschlagsfreien Bedingungen trabe ich langsam zurück zum Startpunkt. Total durchnässt, aber seeehr zufrieden mit diesem Lauf.



 Ist eigentlich irgendjemandem aufgefallen, dass ich am Dienstag Kraftsport geschwänzt habe? Nein? Super!
Am heutigen Donnerstag jedenfalls besuche ich ganz anständig meinen Bauchexpress-Kurs bei Tolga, der mich eindrucksvoll spüren lässt, wieso man lieber nicht mit dem Krafttraining für die Rumpfstabi aussetzen sollte. Nach den 20 Minuten mach´ ich trotzdem Schluss, morgen wartet schon genug körperliche Herausforderung auf mich…



 Irgendwie bin ich am Freitagmorgen aufgeregt.
Ob es an dem Wissen liegt, dass heute ein weiterer 35-Kilometer-Lauf ansteht oder daran, dass ich selbigen als Nachhauseweg absolvieren werde – ich weiß es nicht.

Wobei der Gedanke schon ziemlich faszinierend ist: eine Strecke, die ich sonst in knapp einer Stunde mit dem Auto früh und abends bewältige, soll heute ohne technische Hilfsmittel (außer meiner Laufuhr) erobert werden. Im letzten Jahr habe ich das bereits geschafft, dennoch fühlt sich das heute wieder wie „ganz neu“ an.

Mit umgeschnalltem Laufrucksack und 2 kleinen Trinkflaschen mache ich mich auf den Weg. Die äußeren Bedingungen sind nach den bisherigen aprilähnlichen Wetter-Kapriolen der Woche nahezu ideal: irgendwas um die 5-7 Grad, bewölkt.
Um kurz nach Halb fünf geht´s los, auf in den Sonnenuntergang!

Und das ist wörtlich zu nehmen, denn aus Berlin´s Mitte trägt es mich Richtung Westen, nach Falkensee.
Die ersten gut 10 Kilometer merke ich kaum, wie die Zeit und die Strecke vergehen. Das liegt allerdings möglicherweise auch daran, dass ich auf den ersten 5 Kilometern viiiel zu schnell bin. Oder allgemein an den vielen abwechslungsreichen Eindrücken, die eine solche Stadt, zu Fuß erobert, bieten kann.
Dennoch gilt: ruhig, Thomas, du hast noch ein paar Kilometer vor dir…

Durch die Stadt zu laufen hat etwas genauso schönes wie die Natur und die Landschaft zu genießen. Ich habe heute beides, denn nach den ersten 10 Kilometern wird´s zivilisatorisch deutlich dünner.
Die Sonne versteckt sich zwar hinter Wolken, dennoch breitet sich ein sichtbares Abendrot aus und taucht die Welt in ein spannendes Licht. Dann ist auch das verschwunden, und ein weiteres technisches Hilfsmittel (neben der Uhr) kommt zum Einsatz: meine Stirnlampe!

Da ich nicht so ganz genau weiß, welcher Teil des Weges möglicherweise unbeleuchtet ist, habe ich sie sicherheitshalber mitgenommen. Eine weise Entscheidung, denn zwischen Gartenkolonien mitten im Grünen sind die Pfade doch ziemlich unbeleuchtet.

Ungefähr bei Kilometer 21 hat mich die Zivilisation wieder, was den Einsatz der Lampe ab jetzt überflüssig macht.
Körperlich ist alles soweit okay, einzig mein rechtes Knie meldet sich immer mal wieder. Das tut es allerdings bereits seit gut 10 Kilometern, weshalb ich es zwar merke aber freundlich darüber hinwegsehe.

Bei Kilometer 25 denke ich dann so vor mich hin, dass es jetzt eine gute Gelegenheit wäre, das Tempo mal ein bißchen anzuziehen. Immerhin sagt der Beck´sche Trainingsplan ja, die letzten 5 Kilometer heute mal im (rein fiktiven) Marathon-Renntempo zu laufen.
Das hieße, selbige in 5 Minuten/Kilometer zu absolvieren.
Selbiges erscheint mir nicht relativ schnell zum jetzigen Zeitpunkt des heutigen Laufes, es fühlt sich definitiv auch so an!

Der Kampf in den Beinen und im Kopf entfaltet eine phänomenale Dynamik, allerdings im eher kritischen Sinne. Die letzten Kilometer kommen mir tatsächlich wie eine Ewigkeit vor, ein Umstand, den ich bei langen Läufen durchaus öfter erlebe.

Ohne Worte...

Ohne Worte…

Und dann:
nach drei Stunden 27 Minuten und nach fünfunddreißigkommaviersechs Kilometern erreiche ich meine Haustür sowie gleichzeitig 3 Rekorde:
der längste Trainingslauf aller Zeiten, das erste Mal, dass ich in einer Trainingsperiode 2 35-Kilometer-Läufe absolviert habe, und – der schnellste 35-Kilometer-Lauf! 😉

Ich ignoriere mein schmerzendes Knie und die protestierende Achillessehne und bin einfach nur glücklich.
Meine liebe Frau hat mir einen Fencheltee gekocht, ich werde im Laufe des Abends einen ganzen Liter zur Rehydration davon trinken. Dazu eine Packung Schoko-Zwiebacke und einfach nur irgendwo herumliegen.
Ich bin erschöpft und wie schon am Mittwoch seeehr zufrieden.



 Der Samstag gehört der körperlichen Superkompensation, nachdem ich die Nacht gänzlich unsuper geschlafen habe. Möglicherweise war es doch ein bißchen spät gestern abend für diese physische Schikane.
Aber – abgesehen von einer gewissen Müdigkeit geht es mir echt schnieke, die üblichen anatomischen Unzulänglichkeiten mal außen vor. Auch so etwas nenne ich Trainingserfolg! Kein Muskelkater und insgesamt körperliches Wohlbefinden. Fein.



 Der Sonntag wartet dann auch zur Belohnung mit seinem Namen entsprechendem Wetter auf: Sonne! Und nicht nur das, sondern auch mal gleich kuschelige 17° (im Schatten!!!) finalisieren die wettertechnisch betrachtete kapriolenreichste Woche.

Eine Spitzengelegenheit, die massive Trainingsdichte dieser Woche mit einem gemütlichen 8-Kilometer-Läufchen ausklingen zu lassen! Zunächst mal ist es ausgesprochen ungewohnt, nach langen Laufhosen, dicken Shirts mit Jacken darüber und Mütze heute fast nackich draußen ´rumzurennen.
Kurze Hosen und nur ein popeliges Shirt reichen völlig!

Es ist ein schöner Lauf, den ich gleich mal dazu nutze, immer neben dem Weg zu laufen. Sozusagen auf einem Casual-Trail. Da freuen sich die asphaltgeplagten Glieder, und es schult die Aufmerksamkeit: nicht in Hunde-AA treten! 😉



Wenn der Plan das so will...

Wenn der Plan das so will…

Eine Wochenbilanz, die sich wahrhaftig sehen lassen kann: alle Plan-Forderungen erfüllt!

Und nicht nur das: phantastische abwechslungsreiche Aprilwetter-Bedingungen und ein mehrere schöne Lauf-Erfolge machen die Woche auch zum Fest für alle Sinne!
Das dabei, quasi versehentlich, noch ein neuer Wochenkilometer-Rekord herausspringt – nun, wen störts?

Marathon-HH_TP_Woche07

…dann soll es auch so sein!

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