Woche 05 (v.14): Der lange, feuchte Heimweg

Na, letzte Woche alle brav das Filmchen zum Bad-Water-Ultramarathon geschaut? Noch nicht??? Unbedingt nachholen, wir schreiben nächste Woche eine Klassenarbeit darüber! 😉
Schon wirklich krass, was die Damen und Herren da so alles leisten.
Ich möchte ihnen natürlich in nichts nachstehen, also nutze ich die gegenwärtige Hitzewelle so intensiv wie möglich. Man weiß ja nie, wo meine Lauf-Ziele mich so hinführen. Wer weiß, vielleicht renne ich ja auch mal durchs Death Valley…

Okay, das ist natürlich bloß eine simple Methode, mir dieses ungeliebte Sommerwetter schön zu reden. Aber – hey, wenn´s funktioniert-  warum nicht! Aber: funktioniert es auch? Nun, man wird sehen…

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Am Montag sieht´s schon mal etwas anders aus, da es heute, abgesehen von kuscheligen 29 Grad, auch wieder schön schwül ist. Das unterscheidet mich auch von den BadWater-Läufern, da ist´s eine trockene Hitze! Am Himmel hängen fette Gewitterwolken, aber – um die Vorfreude gleich zu dämpfen – die hängen da nur und machen nix. Leider.

Egal, rumjammern güldet nicht, ran an die Intervalle! Was sagt der Plan? 4 mal 2.000 Meter gilt es zu erlaufen, in einer Pace von 4:40 Minuten/Kilometer. Uiuiui, und das bei dem Wetter. Watt soll´s, ich starte mit den 10 üblichen Einlauf-Minuten, gekrönt von 5 Minuten Lauf-ABC, damit auch wirklich alle Muskelgruppen untenrum etwas zu tun bekommen.

Der erste Abschnitt ist typischerweise wie immer der langsamste, ich muss mich erst an das Tempo herantasten. Gar nicht so einfach, wenn man mit Schwitzen beschäftigt ist und die Muskeln trotz Einlaufens keinen Bock auf Belastung haben! Doch das gibt sich spätestens zum zweiten Element.
Im dritten 2.000-Meter-Abschnitt bekomme ich nach einem Kilometer eine unerwartete aber gelungene Motivationsspritze: ein kleiner 3- oder 4-jähriger Junge, der mit seinem Papa gerade das Fahrradfahren erlernt, liefert sich ein Wettrennen mit mir, indem er versucht mich einzuholen. Papa motiviert ihn, er motiviert mich, alle haben Spaß! 🙂

Die finalen 2.000 Meter sind übelst anstrengend, was sich ganz primär auf die äußeren Umstände schieben lässt. Aber auch das ist nach gut 9 Minuten bewältigt, und ich laufe meinen üblichen Ruhe-Kilometer aus. Und wie: ich laufe wirklich aus! Erstaunlich, welche Wassermengen so aus den menschlichen Poren austreten können…

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Dienstag dient, wie üblich, der Kraftmeierei, diesmal sogar ein paar Minuten länger als sonst, da in der kommenden Woche die planmäßige Umsetzung des kräftigen Dienstags leider einer dienstlichen Sondersituation zum Opfer fallen wird.

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Nächster Tempo-Tag nach Montag ist der Mittwoch. Lediglich 27 Grad draußen, gut, dass ich mich die gewohnten 10 Minuten warmlaufen kann. Der anschließende Tempo-Dauerlauf unterscheidet sich in 2 Aspekten von der ähnlich gelagerten Trainingseinheit der letzten Woche Mittwoch: zum einen ist er 2 Kilometer länger und zum anderen deutlich anstrengender. Während mir in der vorigen Woche dieser besagte Lauf ausgesprochen leicht fiel ist es heute mal eine echte Ansage.
Ich könnte nach 5 Kilometern schon aufhören, aber ich mache es nicht. Allerdings fällt dafür die sonst auftretende Mittelteil-Beschleunigung aus, ich halte das Tempo aber wenigstens und werde nicht langsamer. Ist doch auch was wert!

Dafaür gebiete ich meinem Kopf auf den letzten 4 Kilometern aber Ruhe: jetzt wird noch einmal alles gegeben, okay? Ich halte mich an mich selbst und drück´ noch mal ordentlich auf die Tube. Fast schon etwas zu temporeich ist der letzte Kilometer auch irgendwie geschafft.
Kein wirklich schöner Lauf, aber zumindest zweckmäßig. Haken dran.

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Donnerstag vergnüge ich mich 20 Minuten mit Tolga beim „Bauchexpress“, wie immer eine schöne Gelegenheit, meine Körpermitte zu trainieren.
Im Fitnessstudio-Kurs ist das auch überaus praktisch, da Tolga das ganze zwar recht locker aber auch ziemlich straight angeht. Fahrradfahren lasse ich heute, lieber konzentriere ich mich ein wenig auf meinen morgigen Lauf, der eine Besonderheit darstellen wird.

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Da ich normalerweise am Freitag meinen Frei-Tag habe, plane ich hier meine laaangen Läufe. Das bietet sich auch absolut an, da ich ja auch gut und gerne mal 3 Stunden (oder mehr…) unterwegs bin. Es gibt aber auch Momente wie diese, die eine Änderung der Ursprungsplanung erfordern, und so nutze ich die Umstände und verschaffe mir heute ein Erlebnis der besonderen Art.

Seit vielen Jahren fahre ich zu meiner Arbeitsstelle mit dem Auto, das sind von Falkensee aus bis in die malerische Mitte von Berlin knapp 30 Kilometer oder, im Durchschnittsfall, ungefähr eine Fahrtstunde im wuseligen Stadtverkehr.
Heute nicht, heute fahre ich Bahn. Warum? Na, ganz einfach: heute will ich mal nach Hause laufen! Zu diesem Zweck habe ich die Laufstrecke im Vorfeld meinem Forerunner 305, meiner Laufuhr mit Navigationsfunktion, anvertraut und ihm freundlich mitgeteilt, mich sicher nach Hause zu geleiten. 30 Kilometer sollen es werden, und ich möchte auch nicht unbedingt Straßen laufen sondern mal testen, wie und ob es sich in Berlin auch am Wasser und im Grünen laufen lässt.

Außerdem mit dabei: ein klitzekleiner Laufrucksack (nach meiner Erfahrung der vorletzten Woche allerdings ein anderes Modell, diesmal von Salomon) zum Transport von Brieftasche, Hausschlüssel, Handy und 2 Soft-Trinkflaschen á 500 ml.
Sicherheitshalber, falls es regnen sollte wie angekündigt, verpacke ich Handy und Brieftasche in einer Plastiktüte. Eine weise Entscheidung, wie sich noch herausstellen wird.

Pünktlich um kurz nach halb fünf geht´s los. 25 Grad, bedeckt, beste Laufbedingungen in Anbetracht der Hitzeorgien der vergangenen 2 Wochen. Kurz nach dem Start gibt es den ersten kräftigen Regenschauer, den ich zu diesem Zeitpunkt noch als äußerst erfrischend empfinde.
Die ersten 10 Kilomoter sind vom Berlinerischen Großstadt-Flair geprägt. Straßencafés, viiiele Menschen, viiiele Fahrräder und, tatsächlich, ein paar Läufer. Das erste Drittel vergeht aufgrund der vielen spannenden Eindrücke wie im Fluge und ich muss immer wieder aufpassen, abgesehen von den Wartezeiten an Ampeln (gut in der Tempo-Kurve im Training zu sehen), nicht zu übermotiviert das Tempo zu erhöhen.
Es sind noch einige Kilometer zu bewältigen!

Die nächsten 10 Kilometer sind vor allem durch eine sehr naturnahe Umgebung geprägt. Mitten in Berlin lässt zwischen Bäumen und am Wasser nur wenig die nahe Urbanisierung vermuten, lediglich die im Tiefflug zur Landung ansetzenden Flieger lassen mich die Nähe zum Flughafen in Tegel spüren, sonst dominiert hier vor allem Grün.
Und Wasser, geprägt durch den seit einigen Kilometern links von mir befindlichen Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und, dummerweise, durch ein heraufgezogenes Regengebiet.

Was ursprünglich nur nach einem vereinzelten Schauer aussah wächst sich zu einer allmählich intensiver werdenden Dauerberieselung von oben aus.
Bei Kilometer 20 bin ich bereits völlig durchnässt, und mit völlig meine ich VÖLLIG. Guuut, ich habe mich ja über die sommerliche Hitze beschwert, aber muss das gleich in einem Dauerregen resultieren?!? Aber ich will ja nicht mosern, besser so als heiß und schwül. Auch wenn von jetzt an das letzte Drittel einem Triathlonabschnitt zum Thema „Schwimmen“ ähnelt.
Beim Überqueren von einigen Wiesen gesellt sich zu dem Wasser von oben auch noch welches von unten, bei jedem Schritt kommen fortan seltsam schmatzende Geräusche aus meinen Schuhen und ich habe das Gefühl, ich könnte über´s Wasser gehen.

Die letzten 5 Kilometer haben es noch einmal in sich. Da ich auf mittlerweile vertrauten Strecken nahe meiner Heimat angelangt bin fehlt ein bißchen die Ablenkung durch neue Wege. Außerdem bin ich erschöpft und pitschepatschenass. Es fällt mir zunehmend schwerer, zwischen Schwitzen und Regennässe zu unterscheiden, eigentlich ist´s  aber auch egal, nass ist nass.
Noch ein letztes mal beschleunigt, die sich langsam ausbreitende innere Kühle (ha! dass ich das in diesem Sommer mal schreiben würde…) ignoriert und dann ist es geschafft.

Den neu erlaufenen Distanzrekord erwähne ich nur kurz, denn geht es nach meinem Plan so fällt bereits in einer Woche selbiger wieder.
Außerdem bin ich jetzt erst einmal vollkommen glücklich, erfolgreich zu Hause eingetroffen zu sein. Jetzt schnell raus aus den völlig durchnässten Klamotten, ich habe das Gefühl, der Regen hat sogar meine ganze Haut durchweicht. Eine schöne warme Dusche ist nicht nur eine Wohltat für meine leicht krampfenden Waden sondern auch für den ganzen Thomas.

Abschließend kann ich sagen, dass es irgendwie ein unglaublich cooles Gefühl ist, eine sonst mit technischen Hilfsmitteln zurückgelegte Strecke ganz aus eigener Kraft, nur zu Fuß und im Laufschritt bewältigt zu haben! Heute habe ich nebenbei auch ein wunderbares Gefühl für Distanzen bekommen, denn durch das tägliche Fahren der Strecke weiß ich ja, was ich da so an Weg zurücklege.
Ja, 30 Kilometer sind wirklich eine ganze Menge Weg! Ein toller und beeindruckender Lauf mit wässrigem Handicap und (für mich) beachtlicher Pace (Brutto-Laufzeit inklusive Wartepausen an Ampeln: 3 Stunden, 4 Minuten)

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Sonntag kehrt (mal wieder) der Sommer zurück. Gut, er war ja nie weg, er hat ja am Freitag nur kurz mal Luft geholt. Also alles beim Alten: 32 Grad, schwül. Okay, die Sonne zeigt sich nur sporadisch, aber wenn, dann — halleluja! Das brutzelt! Quasi beste Bedingungen für ein zünftiges Intervalltraining! So denkt sich der Hitzemasochist und lässt´s tempomäßig mal so richtig scheppern.

Der (wirklich) aufmerksame Leser mag sich nun ein wenig wundern, steht doch im Plan für heute ein „12-Kilometer-GA2(locker&zügig)-Lauf“!
Nun, widrige dienstliche Umstände am Montag und Dienstag der kommenden Woche zwingen mich zu einer kleinen Modifikation, in deren Folge der GA2-Lauf leider Opfer besagter Umstände wird. Ich laufe da lieber die (für morgen) geplanten Intervalle, das ist trainingstechnisch sinnvoller. Einen GA2-er darf ich schon mal ausfallen lassen.
Und in Anbetracht der wahrhaftig fordernden Witterungsbedingungen verkürze ich die Zahl der Intervalle moderat, nämlich von den angedachten 10 mal 1.000 Metern auf 9 mal. Auch das kann ich mit meinem Gewissen vereinbaren.

Rückblickend eine weise Entscheidung, denn auch wenn ich ein paar echt schnelle Intervalle auf den blubbernden Asphalt knalle – es schlaucht schon ganz ordentlich! Besonders deutlich wird mir das bewusst, als ich wiederholt feststelle, wie unglaublich viel Wasser aus dem menschlichen Körper an die Luft drängt im verzweifelten Versuch, selbigen zu kühlen. Das Training an sich ist durchaus gelungen, aber es langt auch für heute. Und für diese Woche. Definitiv.

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Marathon-TW-05

Das war der Plan…

Wieder mal Zeit für die Wochenbilanz! Ganz und gar unglaubliche einundsiebzigkommadrei Kilometer haben meine Beine im Laufschritt bewältigt, ein fetter neuer Wochenrekord!
Abgesehen von der (notwendigen) Modifikation am Sonntag eine geradezu vorbildliche Planerfüllung. Ich klopfe mir freundlich auf die Schulter und raune mir leise ins Ohr: Super, nur noch 9 Wochen… 😉

M-Training_W-05

…und das die (übererfüllte) Realität!

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