„Das ganze Leben ist ein Marathon…“

„… Die ersten Schritte fallen dir noch leicht. Du glaubst, nichts kann dich stoppen.
Aber dann kommen die Schmerzen.

Deine Kräfte schwinden. Meter für Meter. Du glaubst, du kannst nicht mehr.
Aber du läufst weiter. Immer weiter. Bis zur totalen Erschöpfung.

Und am Ende steht der Sieg.
Ganz sicher.
Der Sieg.“

Paul Averhoff alias Dieter Hallervorden in „Sein letztes Rennen

Geburt.
Sonntag, 28.September 2014. Ich erblicke um 5:30 Uhr das Licht der Welt.
Wobei,- Licht ist etwas übertrieben, denn draußen ist es noch dunkel. Ich verlasse den warmen Mutterleib das warme Bett und nehme nach einer rudimentären Reinigung (ist eh´ bald egal…) zwei Toastscheiben mit Honig und Nutella zu mir. Sozusagen meine Säuglingsnahrung 😉

Dann noch schnell meinen Malto-Früchtetee-Energizer gemixt, die liebende (keiner steht freiwillig so früh auf!) Frau unter den Arm geklemmt (okay, eher umgekehrt) und ab ins Auto.
Manu bringt mich zuverlässig bis nach Berlin-Charlottenburg, von dort geht´s mit der Bahn Richtung Startpunkt. Dieser befindet sich auf der Straße Des 17.Juni.
Die Schwägerin, Melli, ist auch mit dabei, kann ja nix mehr schiefgehen.

Da bin ich. In ungefähr 5 Stunden. So mein Körper und meine Seele mich tragen...

Dahin will ich. In ungefähr 5 Stunden. So mein Körper und meine Seele mich tragen…

Überaus pünktlich um 7:30 Uhr sind wir am Brandenburger Tor. Dort also, wo ich, falls alles gut geht, in ungefähr 5 Stunden selbiges passieren werde, noch circa 500 Meter von der Ziellinie entfernt.
Hier treffen wir auch Andreas, welcher ebenso wie ich noch ordentlich „eingepackt“ ist, denn bei sehr knappen 10 Grad (!) ist es ausgesprochen schattig. Nun, ich werde mir diese Temperaturen später geradezu herbeiwünschen!

Aufgrund der ziemlichen restriktiven Sicherheitsbestimmungen rund um das Start- und Zielgebiet dürfen meine Chef-Supporterin – meine Frau Manu – und Schwägerin Melli uns nicht weit begleiten, also entledige ich mich der langen Hose und der Jacke, denn das alles mitschleppen ist ja doch irgendwie blöd.
Gegen das spontane Frösteln helfen die hochprofessionellen Funktions-Plastik-Umhänge von Adidas.

Zuhause am Startblock G. Man beachte im Hintergrund die (fast) freien Klohäuschen!

Zuhause am Startblock G. Man beachte im Hintergrund die (fast) freien Klohäuschen!

Die Kloschlangen sind natürlich episch, aber Andreas, der erfahrene Andreas, rät dringend vom Anstellen ab.
Er sagt, direkt an unserem Startblock gibt´s bestimmt auch welche, und dort sind die Schlangen kürzer. Ich glaube ihm das mal, und knapp 10 Wander-Minuten später staune ich Bauklötzer: nicht nur, dass da tatsächlich Dixie-Klos stehen, vor jedem stehen gerade mal 2, in Worten: ZWEI, Wartende!
Ein Segen, und so findet der finale Klogang sehr entspannt statt.

Ebenso entspannt findet um 8:45 Uhr der Start statt, genaugenommen für uns erstmal gar nicht: aufgrund der unglaublichen Läuferschar von 40.000 Marathon-Willigen wird in 3 Wellen gestartet, wir im Block G sind als „Welle 2“ an der Reihe.

Alt-Funktionskleider-Sammlung. Die roten Pfeile markieren übrigens die "4:15:00"-er Tempo-Ballons

Alt-Funktionskleider-Sammlung. Die roten Pfeile markieren übrigens die „4:15:00“-er Tempo-Ballons

Erstaunlich: gerade mal 15 Minuten nach dem Startschuss überschreiten Andreas und ich gemeinsam die Startlinie, und ich mache…

Die ersten Schritte!
Jeder Kilometer sind 2 Lebensjahre, kommt mir so in den Sinn. Dann habe ich am Ende meiner heutigen Reise mehr als 84 Lebensjahre gemeistert, das wäre doch schon mal ganz ordentlich, denke ich mir.

Zuerst mal gilt es allerdings, die ersten Schritte zu meistern. Das Wichtigste: nicht zu schnell! Andreas hilft mir dabei, wofür ich ihm später noch dankbar sein werde.
Ich denke an meinen Plan für heute:
– die Ziellinie überqueren,
– im Laufschritt,
– aus eigener Kraft, und, wenn möglich,
– mit einem Lächeln im Gesicht.
Zeit? Schnuppe.

Die ersten beiden Lebensjahre (=Kilometer 1) klappen super,das Slalomlaufen nach dem Start hält sich in erträglichen Grenzen und wir fassen den „4:15:00“-Pacemaker-Ballon in Pink in den Blick, das erste Ziel auf dem Weg zu den orangenen „4:00:00“-Ballons ein Stückchen davor.

Diese Ballons hängen an Marathon-Läufern, welche entsprechend dieser markierten Zeit laufen und somit helfen können, anderen Läufern entsprechend die (ungefähre) Laufgeschwindigkeit vorzugeben. Obwohl Andreas und ich ja keine konkrete Zielzeit haben möchten wir dennoch mal probieren, in die 4-Stunden-Region vorzustoßen.
Kindlicher Leichtsinn? Wir werden sehen…

Die Sonne lacht bei Kilometer -- sieben!

Die Sonne lacht bei Kilometer — sieben!

Kindheit
Im Laufe der ersten 8 Lebensjahre erarbeiten wir uns mit zwar zunehmendem Slalom-Lauf um andere Marathonis herum dennoch eine stabile Pace. Andreas hat ein wachsames Auge auf mein Lauftempo und bewahrt mich vor kindlichem Übermut.
Auf diese Weise laufen wir uns knapp unter einem 5:30-min/km-Tempo ein, was auch so ungefähr das Zieltempo für eine Vierstunden-Grenze wäre. Wenn wir das bis zum Ende halten könnten sähe es gut aus.

Da man ja als Kind hin und wieder mal die Kontrolle über seine Körperfunktionen verliert muss ich prompt mitten im 6. Lebensjahr (Kilometer 3) noch einmal kurz in die Büsche huschen, ich habe es wohl mit der Wasserversorgung vor dem Lauf etwas zu gut gemeint. Mist.
Direkt nach der Laufunterbrechung der erste Schreck: ich habe Andreas verloren!

Andreas & ich, einträchtig hintereinander. Kilometer 8.

Andreas & ich, einträchtig hintereinander. Kilometer 8.

Eigentlich wollten wir ja mindestens die ersten 20 Jahre gemeinsam verbringen und dann weitersehen, aber jetzt schon allein laufen – das ist blöd!
Einen halben Kilometer später finden wir aber trotz stärkstem Läufergewusel wieder zueinander, und alles ist gut.

Allmählich und dank gleichmäßiger kontrollierter Pace haben wir auch die pinkfarbenen „Vierfünfzehner“-Ballons inzwischen einge- und überholt, unser Tempo ist stabil, wir fühlen uns wirklich fit und gut, jetzt läufts! Gut, allmählich heizt die Sonne die Luft auf, aber es ist insbesondere im Schatten absolut erträglich.
Stück für Stück nähern wir uns nun dem orangenen Ballon…

Jugend
…und erreichen den ersten von mehreren auf der Strecke sichtbaren Vierstundenballons nach gut 14 Lebensjahren (oder eben 7 Kilometern).
Mitten in der Pubertät, sozusagen, 😉 begegnet mir auch die Manu nebst Schwägerin als jubelnder Support am Wegesrande, das gibt gleich nochmal ordentlich Kraft!

Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es trotz allgemein flacher Strecke eben mal so richtig fies aufwärts ging, da wir gerade eine Brücke mit Steigung überlaufen haben. Die Stimmung ist absolut großartig, überall wird einem zugejubelt, überall ist Musik, und überall sind Kinder am Straßenrand, die ihre Hände heraushalten: abklatschen ist angesagt!

Ich genieße jedes Lebensjahr, jeden Kilometer, jeden weiteren Schritt. Und mit jedem weiteren Meter werde ich…

Andreas & ich, reloaded: Kilometer 10!

Andreas & ich, reloaded: Kilometer zehn!

Erwachsen!
Der Marathon entwickelt sich durchaus richtig gut, die Temperaturen allerdings leider auch.
Nach den ersten 24 Lebensjahren tauchen die ersten Zipperlein des Erwachsenenlebens auf: mir wird langsam ziemlich warm.

Der Andreas mag die Wärme, ich jetzt nicht so. Also versuche ich jeden Meter Schatten, den ich bekommen kann, für mich zu erobern. Da wir viel zwischen Häusern unterwegs sind klappt das auch ganz gut.
Die Sonne will uns ganz offensichtlich noch einmal den Sommer machen und demonstriert ziemlich eindrucksvoll ihre Stärke.

Deshalb nutze ich am nächsten Getränkestand die Gelegenheit nicht zum Trinken (ich habe ja mein eigenes, leicht gesalzenes Wasser dabei) aber dennoch zur Erfrischung: ich gieße mir einen Becher Wasser über den Kopf!
Nach einem kleinen Kälteschock fühle ich mich tatsächlich angenehm erfrischt und bereit für die nächsten miiindestens 30 Kilometer.
Dieses Gefühl hält zwar nicht wirklich lange, aber zunächst reicht´s. Ich erkaufe mir die Erfrischung mit einem am Leib klebenden nassen Funktionsshirt, aber erstmal ist´s zumindest kühler.

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„Faces of Pain“: das allgemeine Leiden beginnt bei Kilometer 32…

Das weitere Erwachsenenleben verbringen Andreas und ich im „Orangenen-Ballon-Feld“, irgendwo zwischen den ziemlich weitläufig verteilten Tempomachern für die 4 Stunden.
Die Stimmung links und rechts am Straßenrand ist enorm, irgendwie scheint heute die ganze Welt zum Jubeln an der Strecke zu stehen. Auf jeden Fall ein echter Pluspunkt für den „Return of summer“!

Kurz nach meinem 40.Lebensjahr wartet eine schöne Überraschung: Manu und noch ein paar weitere liebe Menschen stehen kurz hinter dem U-Bahnhof Yorkstrasse und jubeln Andreas und mir zu: toll!
Neben der allgemein großartigen Atmosphäre ist so ein persönlicher Jubel natürlich nochmal etwas ganz besonders belebendes.

Und so passieren Andreas und ich die Halbmarathon-Marke, noch immer ziemlich gut drauf, noch immer mit dem guten Gefühl: wir werden diesen Marathon erfolgreich beenden!
Klar, eine leichte Schwere schleicht sich da in die Beine, aber nichts Besorgniserregendes.

Die nächsten knapp 20 Lebensjahre, bis kurz vor Kilometer 30, laufen wir in zwar etwas mechanischer aber gut trainierter Gewohnheit mit einer gewissen Routine und einem stabilen Tempo.
Die anfänglichen Gespräche werden allerdings zunehmend weniger, das gesamte Läuferfeld ist insgesamt ruhiger, aber das Publikum – das gibt wirklich alles. Wenn man jetzt aufgeben sollte – an der Unterstützung von außen kann es jedenfalls nicht gemangelt haben!
Dennoch: die ersten Läufer legen Gehpausen ein, der eine oder andere wird am Wegesrand beim Dehnen von Wadenkrämpfen gesichtet.

Ja, allmählich wird es dennoch schwerer, denn so langsam fühle ich mich älter, ein bißchen wie ein…

Fit geht anders. Kilometer 35...

Fit geht anders. Kilometer 35…

Rentner.
Um Kilometer 30, dem 60.Lebensjahr, herum, nach der bislang letzten großen Publikums-Motivationsspritze am „Wilden Eber“ (man hat das Gefühl, hier jubelt einem ganz Berlin zu!!!) wird der Lauf deutlich anspruchsvoller.

Bis zum 64. Lebensjahr geht das noch, aber danach beginnt tatsächlich allmählich der wirkliche Kampf.
Jetzt kommt auch mein Malto-Energie-Mix zum Einsatz, ein kurzes Nuckeln an der Flasche: es schmeckt ekelhaft, aber vielleicht hilft´s ja auf den letzten 10 Kilometern.

Im 66. Lebensjahr verliere ich Andreas, meinen treuen Wegbegleiter, an einem Getränkestand.
Sein Rennen geht natürlich trotzdem weiter, aber ab jetzt läuft wirklich jeder für sich. Obwohl ich durchaus gern allein laufe vermisse ich ihn dennoch. 33 Kilometer lang habe ich seine Gegenwart sehr zu schätzen gelernt.

"Like a pro!" Andreas bei Kilometer 38

„Like a pro!“ Andreas bei Kilometer 38

Aber ich möchte jetzt nicht mein Tempo verlassen, und das müsste ich, da Andreas natürlich am Wasser-Tisch langsam geht.
Die Angst, ungewollte Gehpausen einzulegen und dann nicht mehr in den Lauf zu finden lässt mich mein aktuelles „Immer-noch-5:30“-er Tempo halten. Also laufe ich ohne Andreas weiter, wie eine Maschine, gleichförmig, ein Stück weit mechanisch.

Das 70. Lebensjahr markiert dann echtes Neuland: noch nie bin ich weiter als 35 Kilometer gelaufen.
Ab jetzt ist jeder weitere Kilometer unbekanntes Lauf-Territorium. Zuerst wird mir das gar nicht bewusst, so beschäftigt bin ich mit der Konzentration auf´s Laufen.

Nicht ganz so "Pro": ich bei Kilometer 38...

Nicht ganz so „Pro“: ich bei Kilometer 38…

Noch geht es mir einigermaßen gut, auch wenn mir die Wärme mittlerweile echt zusetzt.
Ein letztes Mal am Getränkestand einen erfrischenden Wasserbecher über den Kopf gegossen, so langsam fühlt sich aber auch das nasse Shirt eher unangenehm an.
Es klebt am Körper, ich würde es am liebsten loswerden.
Und wirklich erfrischend ist der Becher-Guss jetzt auch nicht mehr.

Ich passiere den Ku´Damm und die Gedächtniskirche, beides ganz bestimmt total beeindruckende Orte, diese Eindrücke gehen mittlerweile allerdings ein wenig an mir vorbei.
Tatsächlich habe ich genug mit mir zu tun. Obwohl, so ein bißchen „äußere“ Ablenkung würde jetzt vielleicht doch helfen…

Bei Kilometer 38, am Potsdamer Platz, endlich noch einmal eine längst herbeigesehnte Begegnung mit meiner lieben Frau nebst mehrköpfigem Supporter-Team, nur deren bloße Anwesenheit und Jubelschreie halten mich von einem Innehalten und unschönen Gedanken ab.
Ich würde jetzt sonstwas darum geben, mich einfach an den Straßenrand setzen zu können und Fünfe gerade sein zu lassen. Mann, das wird jetzt echt hart!

Beißen. Nur noch anderthalb Kilometer...

Beißen. Es tut weh. Richtig weh. Nur noch anderthalb Kilometer…

Ja, ich fühle mich alt. Und ich fühle mich sehr müde. Erschöpft. Leer. Und durstig. Einen Durst, den ich nicht stillen kann. Ich kriege kein Wasser mehr ´runter.
Eine Minute denke ich an´s Aufgeben. Ein sehr, sehr verlockender Gedanke. Einfach ausruhen.
Ich treffe eine Abmachung mit mir: du darfst eine Gehpause machen, aber Du Machst Weiter!

Und so lege ich dann kurz vor meinem 80. Lebensjahr eben jene vereinbarte Gehpause ein, die mir allerdings auch recht schnell vor Augen führt: unter 4 Stunden wird´s nicht werden.
Aufgrund meiner Altersweisheit und der damit einhergehenden Gelassenheit lächele ich und sage mir: Na und? War ja auch nicht mein Ziel. Ankommen, so lautet mein größter Wunsch.

...durchs rettende Tor. Noch 200 Meter...

…durchs rettende Tor. Noch popelige 200 Meter…

Nun beginnt der finale Kampf. Kurze Gehpausen wechseln sich mit genügsamem Laufschritt ab, und ich fühle mich absolut wie ein Rentner. Nach jedem langsamen Gehen wird selbst der ruhigste Trab zu einer körperlichen Tortur. Vom Geiste ganz zu schweigen…

Ein letztes Aufbäumen erlebe ich bei Kilometer 41, ein sehr lieber Arbeitskollege, der Christian, überrascht mich am Gendarmenmarkt und läuft ein Stückchen neben mir her.
Irgendwo hält das Leben eben immer eine schöne und unerwartete Überraschung parat. Diese letzte Begegnung vor der Zielgeraden gibt mir zwar keinen wirklichen Schwung, aber zumindest die Fähigkeit, mich im Laufschritt bewegen zu können.
In Anbetracht meiner knapp 84 Jahre schon ganz ordentlich.

...verdaaammt lange 200 Meter!!!!!!!!!!

…verdaaammt lange 200 Meter!!!!!!!!!!

Mit spürbar schwindenden Lebensgeistern durchlaufe ich das Brandenburger Tor, erreiche damit Kilometer 42, und sehe in schier unerreichbarer Ferne das Ziel.
Jeder Meter ist jetzt wirklich eine Qual, alles an und in mir möchte einfach nur ausruhen dürfen. Ich wünsche mir irgendeine Gehhilfe. So fühlt sich also Altsein an.
Andererseits gibt mir die Nähe zur finalen Erlösung auch die Kraft, aus selbiger weiterzumachen.
Gleich ist es geschafft.

Und dann —  die Ziellinie!
Ein bißchen ungläubig und ansonsten irgendwie völlig leer überquere ich sie:
– Im Laufschritt.
– Aus eigener Kraft.
– Mit einem Lächeln im Gesicht.

Das ist der Sieg. Ganz sicher.
Mein Sieg.
Und mein Herz bleibt stehen……. —–

Erlösung. Das Ziel. Der -- SIEG!

Erlösung. Das Ziel. Der — SIEG!

Wiedergeburt.

Marathom.

Und wieder: die ersten Schritte.
Diesmal als echter Marathoni, als „echter“ Marathom!
Ich überlaufe die Ziellinie, laufe noch ein Stück weiter.
Irgendein Helferlein ruft mir zu: „Du bist im Ziel! Du brauchst nicht mehr zu laufen! Du hast es geschafft!“.

Ich habe es nicht nur geschafft, ich bin auch geschafft. Irgendwie nehme ich alles wie durch einen Schleier wahr. Verblüffenderweise denke ich sogar daran, meine Laufuhr zu stoppen. Respekt! 🙂

Ohne Worte...

Ohne Worte…

Dann gelingt es mir endlich, langsam zu gehen.
Mann, ich habe gerade meinen ersten Marathon beendet!
Die ersten Schritte im neuen Leben sind etwas unsicher. Ich kann diese Distanz, diesen Lauf überhaupt nicht fassen. Alles ist irgendwie unwirklich.
Eher automatisch nehme ich meine Medaille entgegen, immer noch vor mich hin lächelnd, irgendwie in einer anderen Welt. Wer mich sieht könnte denken, dass ich auf irgendwelchen Drogen bin. Dabei bin ich einfach nur in einem neuen Leben angekommen. Das klingt ziemlich groß, allerdings es fühlt sich auch so an. Keine Ahnung, ob ich lachen oder weinen möchte. Das ist aber auch gar nicht wichtig. Ich bin einfach. Marathom.

Später werde ich erfahren, dass ich in vier Stunden, zwei Minuten und fünfzig Sekunden den Marathon beendet habe.

Urkunde

IMAG0469_small14 Wochen intensives und manchmal schmerzhaftes Training liegen hinter mir, alles für diese heutigen vier Stunden.

In der Überschrift steht „Das ganze Leben ist ein Marathon„. Man kann das auch gern umgekehrt betrachten:
So ein Marathon ist wie ein ganzes Leben.

Es gibt auf diesen 42 Kilometern Höhen und Tiefen, tolle Momente und unerwartete Begegnungen (nicht wahr, Herr Gröbe, Kilometer 39? ;-)), liebe Menschen, die einen auf dem langen Weg begleiten, Krisen, Zweifel und am Ende eine echte Erlösung, eine echte Befreiung.
Und das, liebe Leser, das ist dann wirklich der Sieg.
Darum laufen wir.
Dafür leben wir.

Euer Marathom

(P.S. Andreas hat den Marathon in vier Stunden, dreizehn Minuten und sechsunddreißig Sekunden erfolgreich beendet. Er verbessert damit seine bisherige Marathon-Bestzeit um fast 15 Minuten!!! Herzlichen Glückwunsch, mein lieber Laufbegleiter :-))

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Als „Bonus“ wünsche ich euch nun viel Spaß mit nachfolgendem Video. Die ersten 3 Minuten zeigen ein buntes Sammelsurium an Stimmungen rund um den BerlinMarathon, die anderen 2 1/2 Minuten bieten euch ein paar Impressionen „meines“ Laufes. Falls ihr mich im Video finden könnt… 😉

Am Schluss folgen noch einige
Danksagungen aus tiefstem Herzen an:

1.) meinen Körper. Mein Gott, was habe ich dich geschunden. Und du hast zu mir gehalten. Zweiundvierzigkommazwei unglaublich lange, manchmal fast endlose Kilometer. Kein Ausfall, kein Krampf, nix. Aber direkt nach dem Lauf, da hast du es mir mal so richtig gegeben. Aber das ist eine andere Geschichte und wird ein andermal erzählt. Auf jeden Fall: Danke, dass du mich hast den Lauf beenden lassen!

2.) meine liebe Frau. Was hast du mich 14 Wochen lang manchmal verflucht, kopfschüttelnd angesehen, nie bemitleidet. (Zitat: „Du hast dir das selber ausgesucht!“ Recht haste! :-))
Stimmt, ich hatte manchmal wenig Zeit für dich. Jetzt ist das erstmal vorbei. Erstmal. Danke für deine wundervolle Unterstützung vor, während und nach dem Lauf. Ohne dich wäre ich mehrfach gescheitert: vor, während und nach dem Lauf!

3.) alle Supporter: zuerst mal Hubert Beck, dessen Trainingsplan mein wertvoller Prä-Support war.
Dann, logischerweise, sowohl den direkten Anfeuerern an der Strecke (meine Mama, Melli, Markus, Sascha, Christian und Rene, mein Arzt Sascha Gröbe als „Bonusrufer“ bei Kilometer 39!) als auch der wunderbarsten Laufcommunity der ganzen Welt (mindestens!!!) gilt ein ganz besonderes Dankeschön. Leider zuviele Namen um sie hier alle zu nennen…
Ihr alle habt mich angefeuert, in den Arsch getreten, motiviert zum Weitermachen, Weiterlaufen und Weiterleiden, mir die nötige Kraft gegeben und ihr wart immer genau dann alle da, wenn ich euch brauchte. Fettes Danke!!!!

4.) last but keineswegs least: alle treue Leserinnen und Leser dieses Blog´s. Denn: wenn neben dem Laufen auch noch Zeit und Lust zum Schreiben da ist, dann liegt das definitiv an euch!

6 Responses to „Das ganze Leben ist ein Marathon…“

  1. Schön geschrieben sehr emotional toll! Super Leistung und nun gute Erholung!

    • ThomasThomas sagt:

      Vielen Dank! 🙂 Ich werde mich definitiv erholen. Meine Frau ist immer der meinung, ich kann die Füße nicht stillhalten. Ich KANN! 😉

  2. Rüdiger sagt:

    Eine wirklich sehr schön geschriebene Lebensgeschichte. Von 0 bis fast 85:) Und dazu eine klasse Zeit für den ersten Marathom. Ich wünsche dir eine gute Vorbereitung auf Hamburg. Da bin ich ja gleichzeitig auf dem Darß unterwegs. Ich schau immer mal wieder vorbei wie es so läuft bei dir. hast du einen guten Plan für das Training?

    • ThomasThomas sagt:

      Vielen Dank für die lieben Komplimente! 🙂
      Ja, ich freue mich auch schon auf den Jahresstart 2015, da beginnt dann das Training. Ich werde quasi den gleichen Plan noch einmal durchziehen, das heißt Hubert Becks Plan, der mich ja schon erfolgreich zum Debüt gelenkt hat, darf ein zweites Mal herhalten. Ich würd´ ja auch mal den Greif versuchen, aber dazu bin ich noch zu klein… 😉
      Ob der Plan dann gut war wird sich am 26.04. zeigen. Immer unter der Voraussetzung, dass der Sommer sich in Hamburg kein Stelldichein gibt. DARAUF kann mich der beste Plan nicht vorbereiten!

  3. Hubert Beck sagt:

    Hallo Thomas,
    Gratulation zu Deinem ersten Marathon!!
    Du hast toll gekämpft und bist gut gelaufen.
    Dein Bericht ist sensationell, super inszeniert!!
    Viel Glück bei Deinem neuen Vorhaben in Sun 3:30 h
    Sportliche Grüße
    Hubert

    • ThomasThomas sagt:

      Dankeschön, lieber Hubert. Ob´s dann schon die 3:30 in Hamburg wird — wir werden sehen 🙂 Ich persönlich strebe ja zunächst mal irgendetwas unter 4 Stunden an. Der Rest ist dann fakultativ… 😉
      Möge dein Trainingsplan mich wieder begleiten und das Beste aus mir herausholen!
      Läuferische Grüße zurück, dein Marathom

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