Die Poesie des Winterläufers (oder: Woche zwei)


Juhu, endlich Urlaub!
Eine Woche Zeit für allerlei Lauf- und Dichterspaß! Deshalb, und als poetische Auflockerung, gibt es den ersten Teil meiner zweite Halbmarathon-Trainingswoche diesmal in überaus lyrischer Form. Ich hoffe, der rechtmäßige Urheber verzeiht mir die individuellen Anpassungen. Fragen kann ich ihn ja leider nicht mehr… 😉

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Jungfräulicher Schneepfad

Zunächst noch ein paar unlyrische, nichtsdestotrotz bedeutsame Anmerkungen:
Juhu, endlich Winter!
Das erste „Triple-Feature“ meiner noch jungen Läuferlaufbahn (haha!) ist im Beck´schen und Marathom´schen Plan vermerkt und wird von mir diszipliniert in dieser zweiten Trainingswoche absolviert. Ich gebe zu, dass mir die Vorstellung, früh gleich nach dem Aufstehen an drei Tagen in Folge das Laufbein zu schwingen, nicht unbedingt extrem verlockend erscheint. Aber auch das gehört zum Training dazu, nicht wahr?!? Und letztlich entstand ja so auch der gleich folgende dichterische Exkurs…

Der (halb-)flotte Dreier startet am Dienstag mit einem schönen 10-Kilometer-GA1-(meint: relativ entspannter)-Lauf, gefolgt am Mittwoch von einem etwas zügigeren 8-Kilometer-GA2-Lauf, gekrönt am Donnerstag von einem weiteren 10-er im GA1-Tempo.
Hier gibt´s die drei Morgen-Läufe im Überblick:

runalyze.de10,3 km DL GA1 am 28.01.2014

1:05:506:25/km147bpm0 hm

http://user.runalyze.de/shared/5v0i

 

runalyze.de8,2 km DL GA2 am 29.01.2014

43:525:20/km156bpm0 hm

http://user.runalyze.de/shared/5v0h

 

runalyze.de10,3 km DL GA1 am 30.01.2014

1:06:366:28/km140bpm0 hm

http://user.runalyze.de/shared/5v0g


Die Läufe habe ich unfallfrei bei annähernd gleichen klimatischen, will heißen: tiefwinterlichen Bedingungen überstanden, außer ein paar kleinen üblichen Zipperlein am Achilles und den Schienbeinen, die aber die Freude am Laufen keineswegs einschränkten, war alles roger.
Zeit und Muße genug für die folgenden poetischen Zeilen:

Osterspaziergang
Winterlauf

Mit Eise bedeckt sind Straßen und Wege
durch des Winters kalten, gefrierenden Blick
Der Schneeräumdienst bringt Hoffnungsglück;
der innere Schweinehund, in seiner Schwäche,
zog sich ins rauhe Unterbewusstsein zurück.

Von dort her sendet er, fliehend nur,
ohnmächtige „Viel-zu-kalt“-Gedanken
in des Sportlers Bewusstseins-Flur
Aber der Läufer duldet kein Wanken:
In ihm regt sich Bewegungsdrang,
im Laufschritt dort draußen, ganz ohne Zwang
Doch an gestreuten Wegen fehlts im Revier,
er nimmt die passenden Schuhe dafür!

Kehre nicht um, von diesen Höhen,
nach dem Startpunkt zurückzusehen.
Aus der grauen Landschaft empor
strahlt ein weißes Leuchten hervor.
Jeder läuft im Schnee so gern,
dein Lauf führt dich in weite Fern´,
denn du bist heut´ hinausgegangen;
aus deinem Haus, vom e´wgen Rasten,
aus deinen Job- und Pflichtbelangen,
aus dem Druck von Alltag und Lasten
aus lähmender Bequemlichkeit
aus düst´rer seelischer Nacht
hast du dich selber ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich der Läufer
durch die verschneiten Felder schlägt
Wie der Weg trotz Schnee und Glätte
auch manch´ anderen Läufer bewegt.
Und, mit zügigen, sicheren Schritten
näherst du dich dem eignen Ziel,
hast trotz der Kälte kein bißchen gelitten,
geleistet hast du heute viel

Das Ziel erreicht im Schneegewimmel,
das ist des Läufers wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet ´s Läuferlein:
hier bin ich Mensch, hier will ich sein!


Der Samstag wartet dann mit einem Abenteuer ganz anderer Art auf mich: ein persönlicher 10-Kilometer-Testwettkampf! Und mangels passender Veranstaltungen wird es auch genau das: ich, ganz allein und mal sehen, was so geht. Die Wetterbedingungen könnten nicht besser sein: Sonne und 5°, sozusagen ein Hauch von Frühling, gottseidank sind die Straßen nicht mehr so glatt wie zur Wochenmitte!

Welcher Vollidiot hat eigentlich behauptet, der FR305, mein digitaler Laufknecht von Garmin, hat bei einer festgelegten Ziel-Pace eine Toleranz von +/- 10 Sekunden?!? Oh, der Idiot war ich ja selber. Naja, bei vorher programmierten Trainings ist das ja auch so, wie kann ich denn ahnen, dass Kollege ForeRunner sich völlig intolerant bei einer Zielpace OHNE festgelegtes Training verhält???
Nun, diesen Umstand registriere ich kurz nach Start allerdings sehr schnell, denn ich habe 4:55 min/km als Zielpace definiert, im treuen Glauben, dass ich dann ja auch mal „nur“ eine 5:05-er Pace laufen darf. Tja, denkste! Mein Laufknecht weist mich freundlich aber seeehr ausdauernd darauf hin, doch bitteschön 4:55 oder gern auch etwas schneller zu laufen. Wenn ich nun nicht die nächsten 9,5 Kilometer ein penetrantes Piepsen hören möchte bleibt mir nur: schneller als die Zielpace zu sein! Und, gänzlich erstaunlich, es läuft! Und wie!

Erst ab Kilometer 7 wird es dann ganz schön kniffelig, die Beine wollen nicht mehr so richtig und eigentlich ist ja auch Samstag, und langsam geht ja auch und überhaupt muss man doch wirklich nicht sooo schnell laufen… Klappe, Unterbewusstsein! Heute ist mentale Härte gefragt! Bei Kilometer 8 ist dann spätestens der erschwerende Umstand zu bemerken, dass man keine externe Motivation durch Mitläufer, Zuschauer oder sonstige Anpeitscher erhält. Nur der FR305, der ist echt gnadenlos in seiner Anfeuerung. Jaaa, ich erhöhe ja schon das Tempo. Ohne Ablenkung spüre ich dafür jetzt besonders intensiv das Laktat in den Oberschenkeln, die wirklich, wirklich gerne langsamer laufen wollen.  Irgendwie geht´s.
Und dann: die letzten Meter. Kilometer 10 ist durchlaufen, ich hänge noch 100 Meter dran, falls mir ein blödes Laufprogramm ein paar Meter klaut. Ein echter Endspurt ist allerdings nicht mehr drin. Auch gut, besonders wenn man bedenkt, dass ich, sozusagen ganz beiläufig, meine persönliche 10-Kilometer-Bestzeit unterboten habe. Die lag nämlich bisher bei 4:54-er Durchschnittspace beim Lauf der Sympathie letzten März.

Nur für die persönlichen Annalen: ich habe heute eine pesönliche Bestzeit erlaufen, ganz ohne Wettkampf-Atmosphäre! Eine fette 4:49-er Pace steht da!!!
Das finde ich ziemlich geil, und dementsprechend wohl fühle ich mich auch.
Ja, es war ein bißchen eine Qual, aber ich bin echt fasziniert davon, wie man sich mental allein vor dem Durchhängen bewahren kann. Das ist der vielleicht größte Wert bei dieser Form des Lauftrainings: dem Schweinehund zu zeigen, wer hier der Chef im Ring ist! 🙂

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